Krisenintervention und Deeskalation in der Sozialen Arbeit
Dynamik, Präsenz und professionelle Intervention

2 Tag · Online/ Präsenz
inkl. FIFSI-Zertifikat

Gruppengröße: max. 16 Teilnehmende

Termine: Siehe Terminübersicht

Kosten: 390€

Kursleitung: Shiraz Maysum (er/ ihm) M.A.

KONZEPT & ANSATZ.

Krisenintervention und Deeskalation eröffnen eine fachliche Perspektive auf Situationen, in denen Belastung, Spannung und Handlungsdruck zunehmen und vertraute Formen der Regulation an Wirksamkeit verlieren. Die Fortbildung versteht Krise als dynamischen Prozess, dessen Entwicklung sich in Wahrnehmung, Kommunikation, Beziehung und Verhalten zeigt. Sichtbare Eskalation wird dabei als Ergebnis vorausgehender Verdichtungen lesbar. Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit auf frühe Veränderungen und jene Momente, in denen Orientierung und Bearbeitbarkeit schrittweise abnehmen. 

Krisen entstehen im Zusammenspiel unterschiedlicher Ebenen. Innerpsychische Belastungen, Beziehungserfahrungen, institutionelle Bedingungen und sozialstrukturelle Faktoren wirken ineinander und prägen, wie Situationen erlebt, gedeutet und beantwortet werden. Die Fortbildung betrachtet deshalb die Prozesse, in denen Spannung entsteht, verstärkt oder regulierbar wird. Eskalation erscheint in diesem Verständnis als relationales Geschehen, an dem Wahrnehmung, Reaktion und Gegenreaktion beteiligt sind. Damit rückt professionelle Wahrnehmung in den Mittelpunkt: Fachkräfte lernen, Veränderungen von Spannung, Kontakt, Kommunikation und Regulationsfähigkeit differenziert einzuordnen und Krisendynamiken frühzeitig zu erfassen. Einbezogen wird dabei, welche Schutzlogiken hinter Verhalten wirksam sein können, wie Stress Wahrnehmung, Sprache und Steuerungsfähigkeit verändert und welche Bedeutung die eigene Reaktion für den weiteren Verlauf erhält.

Auf dieser Grundlage verbindet die Fortbildung fachliche Analyse mit konkreter Handlungspraxis. Professionelle Präsenz, Selbstregulation, klare Kommunikation und Struktur schaffen Orientierung in angespannten Situationen. Haltung, Stimme, Tempo, Körpersprache, Abstand und Timing werden als Bestandteile professioneller Intervention verstanden. Deeskalation beginnt damit bereits vor dem gesprochenen Satz: in der Fähigkeit der Fachkraft, den eigenen Zustand zu regulieren, Druck zu reduzieren, Kontakt zu halten und einen verlässlichen Rahmen herzustellen. Für die Soziale Arbeit besitzt diese Perspektive besondere Relevanz. Fachkräfte gestalten Beziehungen, treffen Entscheidungen und handeln auch unter hohem situativem Druck. Professionelle Krisenkompetenz verbindet deshalb Wahrnehmung, fachliche Einordnung, Selbststeuerung und methodisches Handeln. Sie ermöglicht, auch in zugespitzten Situationen beziehungsfähig, klar und handlungsfähig zu bleiben, Stabilisierung zu unterstützen und weitere Bearbeitung wieder möglich zu machen.


Die Auseinandersetzung mit Krisenintervention und Deeskalation wird damit zu einer Frage professioneller Qualität: Wie erkennen wir Verdichtungen frühzeitig? Wie beeinflussen institutionelle Bedingungen und Interaktionsmuster den Verlauf? Wie gestalten wir Präsenz, Sprache, Grenzen und Struktur so, dass Orientierung und Regulation unterstützt werden?
 

Unsere Fortbildungen folgen einem reflexiven Lernverständnis, das fachliche Erkenntnis mit professioneller Praxis verbindet: Wir analysieren bestehende Handlungsmuster, fundieren sie theoretisch, erproben neue Perspektiven und übertragen diese auf konkrete Praxissituationen.

 

PROBLEMATISIEREN.
Krisen und Eskalationen entwickeln sich im Zusammenspiel von Belastung, Wahrnehmung, Beziehung, institutionellen Bedingungen und situativen Reaktionen. Fachkräfte sind Teil dieser Dynamik: Sprache, Tempo, Grenzsetzung, Rollenverständnis und eigene Aktivierung beeinflussen den weiteren Verlauf. Krisenkompetenz wird damit zu einer Frage professioneller Wahrnehmung, Selbststeuerung und verantwortlicher Gestaltung sozialer Situationen.


INFORMIEREN.
Die Fortbildung vermittelt fachliche Modelle und analytische Zugänge, um Krisenverläufe, Stressreaktionen und Eskalationsdynamiken differenziert einzuordnen. Perspektiven auf Schutzlogiken, Regulation, Co-Regulation, professionelle Präsenz und relationale Prozesse schaffen eine Grundlage, um Handlungsmöglichkeiten frühzeitig zu erkennen und begründet auszuwählen.


TRAINIEREN.
Die fachlichen Perspektiven werden auf konkrete Krisen- und Eskalationssituationen übertragen. An Fallkonstellationen und eigenen Praxisbezügen wird erprobt, wie Wahrnehmung, Selbstregulation, Sprache, Präsenz und Grenzsetzung den Verlauf beeinflussen und wie Fachkräfte auch unter Druck Orientierung, Beziehung und professionelle Handlungsfähigkeit gestalten können.


TRANSFERIEREN.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden auf die eigene Berufspraxis bezogen und in konkrete Handlungsperspektiven übersetzt. Im Mittelpunkt steht eine reflektierte Krisenkompetenz, die Dynamik, Rolle und eigenen Zustand kontinuierlich einbezieht und dadurch Früherkennung, Kommunikation, Deeskalation und professionelles Handeln in angespannten Situationen gezielt unterstützt.

CURRICULUM ÜBERSICHT.

Das Curriculum verbindet theoretische Grundlagen zu Krise, Stress und Eskalationsdynamiken mit professioneller Reflexion und konkreten Handlungsansätzen. Die sechs Schwerpunkte bauen aufeinander auf und führen vom fachlichen Verständnis von Krisenprozessen über Wahrnehmung und Selbststeuerung bis zu Deeskalation, Intervention und Transfer in die professionelle Praxis.

01

Krise, Prozess und
Dimensionalität

Einführung in ein prozessuales und mehrdimensionales Verständnis von Krise. Im Mittelpunkt stehen frühe Veränderungen von Spannung, Kontakt, Kommunikation und Orientierung sowie die Frage, wie innerpsychische, relationale, familiäre, institutionelle und sozialstrukturelle Bedingungen Krisenverläufe prägen und verdichten.

02

Stress, Regulation und Schutzlogiken

Auseinandersetzung mit Stress, Regulationsfähigkeit und Schutzlogiken in belastenden Situationen. Analysiert wird, wie Aktivierung Wahrnehmung, Sprache und Steuerungsfähigkeit verändert, welche Funktionen Verhalten in Krisen übernehmen kann und wie subjektive Bedeutung, Vorerfahrungen und situative Belastungen in das fachliche Fallverstehen einfließen.

03

Eskalation und relationale Dynamik

Vertiefung der Frage, wie Eskalation in Interaktionen entsteht, sich verdichtet und durch wechselseitige Reaktionen beeinflusst wird. Im Fokus stehen Sprache, Tempo, Grenzsetzung, Nähe und Distanz sowie die Wirkung professioneller Reaktionen. Eskalation wird als relationaler Prozess fachlich lesbar und für gezielte Intervention zugänglich.

04

Präsenz, Rolle und Selbststeuerung

Reflexion professioneller Präsenz, Rolle und Selbststeuerung in angespannten Situationen. Untersucht wird, wie Haltung, Stimme, Körpersprache, Klarheit und innere Orientierung Sicherheit und Struktur vermitteln. Im Zentrum steht eine professionelle Präsenz, die Beziehung, Grenzsetzung, Selbstschutz und verlässliche Orientierung miteinander verbindet.

05

Deeskalation und Intervention

Übertragung der fachlichen Perspektiven auf konkrete Deeskalations- und Interventionssituationen. Erarbeitet werden klare Handlungsfolgen für Sicherung, Stabilisierung, Orientierung, Begrenzung und Co-Regulation sowie ein situationsangemessener Einsatz von Sprache, Tempo, Raum, Beziehung und Vorhersehbarkeit in zugespitzten Situationen.

06

Transfer und Handlungssicherheit

Zusammenführung theoretischer, analytischer und praktischer Perspektiven mit der eigenen Berufspraxis. Entwickelt werden konkrete Ansatzpunkte, um Krisendynamiken frühzeitig zu erkennen, den eigenen Zustand bewusst zu regulieren, Interventionen fachlich zu begründen und professionelle Handlungssicherheit in herausfordernden Situationen weiterzuentwickeln.

ZIELGRUPPE.
Die Fortbildung richtet sich an Sozialpädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Fachkräfte angrenzender Disziplinen sowie fachlich Interessierte, die Krisendynamiken fundiert verstehen und ihre professionelle Handlungssicherheit in angespannten und eskalationsnahen Situationen weiterentwickeln möchten.


WAS DU LERNST.
→ Krisen fachlich einordnen und ihre Entwicklung als dynamischen, mehrdimensionalen Prozess in sozialen und professionellen Zusammenhängen verstehen.

→ frühe Krisen- und Eskalationsdynamiken erkennen und Veränderungen von Spannung, Kontakt, Kommunikation und Regulationsfähigkeit differenziert erfassen.

→ Stress, Regulation und Schutzlogiken verstehen und deren Bedeutung für Wahrnehmung, Sprache, Verhalten und professionelle Interaktion einordnen.

→ professionelle Präsenz und Selbststeuerung entwickeln und nachvollziehen, wie Haltung, Stimme, Tempo, Körpersprache und Klarheit auf Situationen wirken.

→ Deeskalierende Interventionen gezielt einsetzen und mit Struktur, Grenzsetzung, Co-Regulation und tragfähiger Kommunikation Orientierung und Stabilisierung unterstützen.

→ konkrete Handlungsperspektiven entwickeln, um Krisen frühzeitig zu erfassen, Interventionen fachlich zu begründen und Handlungssicherheit dauerhaft in die eigene Berufspraxis zu übertragen.

2 TAG/ 

16 UE

online oder in Präsenz

PAX 

16

max. Teilnehmer:innen

390

€

Gebühr/ Person

TERMINE.

2026/
29. & 30. Oktober (online)
09. & 10. Dezember (online)

2027/
11. & 12. Februar (online)
28. & 29. April (online)
28. & 29. Juni (online)
26. & 27. August (Präsenz)
28. & 29. Oktober (online)
16. & 17. Dezember (online)

Präsenztermine finden im Zentrum für Bildung und Gesellschaft (ZBG) in der Albert-Schweitzer-Straße 113–115, in 55128 Mainz statt. (inkl. Snacks & Getränke)

DOZENT:IN/

Shiraz Maysum M.A. (er/ihm)
Shiraz´ Arbeitsschwerpunkte liegen hier an der Schnittstelle von diskriminierungssensibler Sozialer Arbeit, Sozialpsychologie, politischer Bildung und Professionsethik. In der Fortbildung verbindet er rassismus- und machtkritische Perspektiven mit sozialpsychologischen Zugängen zu Wahrnehmung, Positioniertheit und Deutungsmacht. Im Mittelpunkt steht deren Übertragung auf professionelle Beziehungsgestaltung, institutionelle Strukturen und die Reflexion des eigenen fachlichen Handelns.

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