Online -Fortbildung
"Politische Bildung x Soziale Arbeit
- Professionelles Handeln zwischen Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung"
Gesellschaftliche Transformationsprozesse, soziale Ungleichheiten, demokratische Herausforderungen und politische Polarisierungen verändern die Anforderungen professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit grundlegend. Fachkräfte begegnen diesen Entwicklungen in Beratungsprozessen, pädagogischen Beziehungen, institutionellen Entscheidungen sowie in der Gestaltung von Beteiligungs- und Hilfeprozessen. Individuelle Lebenslagen stehen dabei in einem wechselseitigen Verhältnis zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen, politischen Rahmenbedingungen und institutionellen Strukturen. Professionelles Handeln bewegt sich folglich innerhalb eines komplexen Spannungsfeldes, in dem biografische Erfahrungen, soziale Problemlagen und gesellschaftliche Entwicklungen fortlaufend aufeinander einwirken und professionelle Wahrnehmungen, Bewertungen sowie Entscheidungen prägen.
Mit dieser Entwicklung gehen grundlegende fachliche und professionsbezogene Fragestellungen einher. Wie entstehen gesellschaftliche Deutungen sozialer Problemlagen und welche Bedeutung besitzen sie für professionelles Handeln? Welche Rolle spielen Machtverhältnisse, Institutionen und politische Prozesse bei der Entstehung, Bearbeitung und Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit? Wie lassen sich individuelle Erfahrungen und gesellschaftliche Bedingungen in professionellen Entscheidungsprozessen gleichermaßen berücksichtigen? Welche Verantwortung tragen Fachkräfte bei der Gestaltung demokratischer Teilhabe, im Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten sowie bei der Wahrung von Menschenrechten und professioneller Ethik? Und welche Bedeutung kommt politischer Bildung innerhalb sozialarbeiterischer Praxis zu, wenn gesellschaftliche Entwicklungen zunehmend unmittelbare Auswirkungen auf professionelle Beziehungen, pädagogische Prozesse und institutionelles Handeln entfalten?
Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit eines professionellen Bezugsrahmens, der politische Bildung und Soziale Arbeit nicht als voneinander getrennte Handlungsfelder, sondern als sich wechselseitig ergänzende Perspektiven professionellen Handelns versteht. Erforderlich ist ein analytischer Zugang, der gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar macht, professionelle Entscheidungen in ihren sozialen, politischen und institutionellen Kontexten verortet und die Verbindung zwischen demokratischer Verantwortung, Menschenrechtsorientierung und fachlicher Praxis systematisch reflektiert. Erst auf dieser Grundlage können soziale Situationen in ihrer Komplexität verstanden, professionelle Handlungsspielräume begründet erschlossen und pädagogische sowie sozialarbeiterische Interventionen fachlich fundiert gestaltet werden.
Die vorliegende Fortbildung entwickelt einen solchen Bezugsrahmen. Sie verbindet politische Bildung und Soziale Arbeit zu einer gemeinsamen professionellen, sowie ethisch vertretbaren Perspektive und eröffnet einen systematischen Lernprozess, der gesellschaftliche Analyse, welche professionsbezogene Reflexion und pädagogische Handlungskompetenz miteinander verknüpft. Ziel ist die Entwicklung einer reflektierten Professionalität, die gesellschaftliche Entwicklungen analytisch einordnet, demokratische Verantwortung und Menschenrechte als handlungsleitende Prinzipien versteht und daraus begründete, diskriminierungssensible und handlungssichere Praxis entwickelt.
Curriculum:
Tag 1: Politische Bildung: Analyse & Rahmung
Block 1: Grundlagen politischer Bildung: Begriffe, Prinzipien & Bildungsverständnis
(Non-formale) politische Bildung wird als eigenständige demokratische Bildungs- und Reflexionspraxis verstanden, die Menschen dazu befähigt, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu analysieren, politische Urteile zu entwickeln und an demokratischen Prozessen teilzuhaben. Sie verfolgt dabei nicht das Ziel, bestimmte politische Positionen zu vermitteln, sondern eröffnet Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven, gesellschaftliche Konflikte und normative Fragen sichtbar, diskutierbar und reflektierbar werden können. Politische Bildung bewegt sich damit immer im Spannungsfeld zwischen Offenheit und Werteorientierung, zwischen Kontroversität und demokratischen Grundprinzipien sowie zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlicher Analyse. Im Mittelpunkt stehen zentrale Grundlagen und Prinzipien politischer Bildung: Demokratie als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform, politische Mündigkeit, Urteilsfähigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Handlungsfähigkeit. Die Teilnehmenden setzen sich mit dem Verständnis politischer Bildung als Prozess der Befähigung auseinander und reflektieren, welche Bedeutung politische Sprachfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit zur Aushandlung gesellschaftlicher Konflikte für demokratische Gesellschaften besitzen. Dabei wird politische Bildung nicht als reine Wissensvermittlung verstanden, sondern als Bildungsprozess, der Menschen unterstützt, eigene Positionen zu entwickeln, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den normativen und professionellen Grundlagen politischer Bildungsarbeit. Thematisiert werden der Beutelsbacher Konsens, sowie das Verhältnis von Neutralität, demokratischer Haltung und professioneller Verantwortung. Ergänzend wird das Verhältnis von politischer Bildung und Menschenrechtsbildung betrachtet und diskutiert, wie Menschenrechte als normativer Bezugspunkt demokratischer Bildungsprozesse dienen können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem professionellen Umgang mit Ambiguität, Unsicherheit und gesellschaftlichen Widersprüchen. Politische Bildung erfordert die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und zwischen Fakten, Bewertungen und normativen Orientierungen zu unterscheiden. Dies schließt auch die Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen Einstellungen, Ausgrenzungsprozessen und der Frage ein, wie Bildungsräume gestaltet werden können, in denen kritische Reflexion möglich ist und gleichzeitig Grenzen gegenüber menschenfeindlichen Positionen sichtbar bleiben. Ziel ist die Entwicklung eines professionellen Verständnisses politischer Bildung als demokratischer Bildungsauftrag und analytischer Bezugsrahmen. Die Teilnehmenden erwerben eine gemeinsame fachliche Grundlage, um politische Bildungsprozesse einzuordnen, eigene professionelle Rollen zu reflektieren und gesellschaftliche Konflikte als Bestandteil demokratischer Bildungsarbeit zu bearbeiten.
Block 2: Gesellschaftliche Konflikte, Machtverhältnisse & politische Deutung
Politische Bildung setzt an der Frage an, wie gesellschaftliche Wirklichkeit entsteht, interpretiert und gestaltet wird. Sie betrachtet soziale und politische Entwicklungen nicht als isolierte Ereignisse, sondern als Ergebnis historischer, ökonomischer, kultureller und institutioneller Prozesse. Gesellschaftliche Konflikte entstehen dabei nicht ausschließlich durch unterschiedliche Meinungen einzelner Personen, sondern sind häufig Ausdruck ungleicher Ressourcenverteilungen, unterschiedlicher Interessen, Machtverhältnisse und konkurrierender Deutungen darüber, wie Gesellschaft gestaltet werden soll. Politische Bildung eröffnet Räume, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, kritisch zu analysieren und demokratisch zu bearbeiten. Im Mittelpunkt dieses Blocks steht die Entwicklung einer politisch-analytischen Perspektive auf gesellschaftliche Herausforderungen. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit Macht- und Herrschaftsverhältnissen, sozialer Ungleichheit, Diskriminierung, Klassismus, Rassismus sowie weiteren Formen struktureller Ausschlüsse. Dabei wird untersucht, wie gesellschaftliche Kategorien, Institutionen, politische Entscheidungen und öffentliche Diskurse Einfluss darauf nehmen, welche Perspektiven sichtbar werden, welche Stimmen Gehör finden und welche Erfahrungen marginalisiert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie gesellschaftliche Probleme individualisiert oder entpolitisiert werden können und welche Bedeutung dies für politische Bildung und Praxis hat. Darüber hinaus werden demokratiegefährdende Entwicklungen und gesellschaftliche Polarisierungsprozesse betrachtet. Thematisiert werden gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, demokratiefeindliche Narrative, Radikalisierungsprozesse sowie die Bedingungen, unter denen Menschen politische Orientierung, Zugehörigkeit und Handlungsmacht suchen. Dabei werden individuelle, soziale und gesellschaftliche Faktoren zusammengedacht und vereinfachende Erklärungen vermieden. Ziel ist es, politische Konflikte differenziert zu verstehen und sowohl Gefährdungen demokratischer Kultur als auch Möglichkeiten demokratischer Intervention sichtbar zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse politischer Deutungen und gesellschaftlicher Narrative. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Bedeutung von Sprache, Framing, Medien, digitalen Räumen, Communities und gesellschaftlichen Akteur:innen bei der Herstellung politischer Wirklichkeit auseinander. Historische und transnationale Perspektiven erweitern den Blick auf gegenwärtige Konflikte und machen sichtbar, wie Kolonialgeschichte, globale Verflechtungen, Migration, Transformationsprozesse und unterschiedliche gesellschaftliche Erfahrungen heutige politische Debatten prägen. Dabei wird auch die Frage betrachtet, wie Perspektiven, Normen und Wissensbestände entstehen und welche Rolle Multiperspektivität und Interdisziplinarität für politische Analyse spielen. Politische Bildung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, gesellschaftliche Konflikte zu erkennen, sondern auch die Fähigkeit zu entwickeln, mit Komplexität, Unsicherheit und widersprüchlichen Interessen umzugehen. Reflexionskompetenz, Diskursfähigkeit und Perspektivwechsel bilden zentrale Voraussetzungen, um demokratische Kontroversen professionell zu begleiten und Räume für Austausch und Verständigung zu schaffen. Ziel ist die Entwicklung einer politisch-reflexiven Analysekompetenz, die gesellschaftliche Macht- und Konfliktverhältnisse sichtbar macht, politische Deutungsangebote kritisch einordnet und als Grundlage professioneller Bildungs- und Handlungsprozesse nutzbar macht. Die Teilnehmenden stärken ihre Fähigkeit, soziale Situationen in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen zu verstehen und politische Dimensionen professionellen Handelns zu erkennen.
Tag 2: Soziale Arbeit: Fallverstehen, Machtkritik & professionelle Praxis
Block 3: Soziale Arbeit als politische Praxis – Hilfe, Kontrolle und gesellschaftliche Machtverhältnisse
Soziale Arbeit wird häufig als helfende, beratende oder unterstützende Praxis verstanden, während ihre politische Dimension im professionellen Alltag oftmals weniger sichtbar erscheint. Dieser Block greift dieses verbreitete Verständnis auf und setzt sich mit der Vorstellung auseinander, Soziale Arbeit könne unabhängig von gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen oder als politisch neutrale Profession verstanden werden. Im Mittelpunkt stehen die grundlegenden Spannungsverhältnisse professionellen Handelns: Hilfe und Kontrolle, Unterstützung und Normalisierung, Schutz und Selbstbestimmung, Beteiligung und paternalistische Fürsorge sowie das Verhältnis zwischen individueller Fallarbeit und den strukturellen Ursachen sozialer Problemlagen. Zugleich wird der Zusammenhang zwischen institutionellen Aufträgen, staatlichen und organisationalen Vorgaben, professioneller Verantwortung sowie den Rechten der Adressat:innen analysiert. Deutlich wird, dass Soziale Arbeit gesellschaftliche Wirklichkeit nicht ausschließlich bearbeitet, sondern durch professionelle Bewertungen, institutionelle Entscheidungen und die Gestaltung von Zugängen selbst an ihrer Hervorbringung beteiligt ist. Darüber hinaus wird herausgearbeitet, wie sozialpolitische Entwicklungen, gesellschaftliche Transformationsprozesse und institutionelle Rahmenbedingungen professionelles Handeln beeinflussen und welche Auswirkungen diese auf Teilhabe, Anerkennung und soziale Gerechtigkeit haben.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Machtverhältnissen, die professionelles Handeln strukturieren. Fachkräfte verfügen über Deutungs-, Entscheidungs- und Handlungsmacht, indem sie Situationen interpretieren, Unterstützungsbedarfe definieren, Hilfen bewilligen oder begrenzen und institutionelle Verfahren gestalten. Sprache, Diagnosen, Dokumentationen und fachliche Kategorien werden deshalb nicht als neutrale Abbildungen sozialer Wirklichkeit verstanden, sondern als professionelle Deutungsangebote mit konkreten Auswirkungen auf Teilhabe, Anerkennung und Ausschluss. Thematisiert werden Wahrnehmungs- und Deutungsbiases, institutionelle Ausschlussmechanismen, strukturelle Diskriminierung sowie die Tendenz, gesellschaftlich verursachte Problemlagen zu individualisieren oder zu entpolitisieren. Politische Frustration, soziale Isolation und Radikalisierungsdynamiken werden dabei in ihren sozialen, institutionellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen betrachtet. Ziel des Blocks ist die Entwicklung eines professionellen Verständnisses Sozialer Arbeit als machtbewusste, menschenrechtsorientierte und demokratisch verantwortliche Praxis, die gesellschaftliche Bedingungen nicht nur berücksichtigt, sondern kritisch reflektiert, professionelle Handlungsspielräume bewusst nutzt und aktiv zur Gestaltung einer diskriminierungssensiblen und demokratischen Gesellschaft beiträgt.
Block 4: Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession – Mandate, politische Bildung und demokratische Verantwortung
Aufbauend auf den zuvor sichtbar gemachten Spannungsverhältnissen vermittelt dieser Block ein professionelles Verständnis Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession, deren Auftrag sich nicht auf individuelle Unterstützung beschränkt, sondern immer auch gesellschaftliche Verantwortung einschließt. Soziale Arbeit wird dabei als demokratische Praxis verstanden, die sich im Spannungsfeld von Hilfe, Kontrolle, institutionellen Erwartungen, politischen Rahmenbedingungen und den Rechten der Adressat:innen bewegt. Im Mittelpunkt stehen Profession und Professionalität, multisystemische Mandatsysteme, menschenrechtliche und professionsethische Grundlagen sowie die Frage, wie fachliche Entscheidungen unter widersprüchlichen Anforderungen verantwortungsvoll begründet und gestaltet werden können. Thematisiert werden Neutralitätsverständnisse, professionelle Rollen, Selbstklärung, Authentizität, fachliche Positionierung sowie die Bedeutung einer reflektierten Haltung für demokratisches, diskriminierungssensibles und menschenrechtsorientiertes, sowie psychosozial reflektiertes Handeln. Ziel ist es, die dimensional zu reflektierende politische Dimension professioneller Verantwortung sichtbar zu machen und die eigene Rolle als Fachkraft zwischen institutionellen Aufträgen, gesellschaftlichen Erwartungen und den Interessen der Adressat:innen kritisch zu reflektieren und stets multidimensional zu betrachten.
Darüber hinaus setzt sich der Block mit der politischen Dimension professioneller Praxis auseinander und arbeitet heraus, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse, institutionelle Logiken und politische Entscheidungen soziale Problemlagen beeinflussen und professionelles Handeln strukturieren. Die Teilnehmenden reflektieren, welche Verantwortung Fachkräfte bei der Förderung von Teilhabe, Selbstvertretung, Empowerment und demokratischer Mitgestaltung übernehmen und wie politische Bildung zur Stärkung von Handlungsmöglichkeiten im sozialarbeiterischen Alltag beitragen kann. Behandelt werden Diskriminierungssensibilität, Intersektionalität, Klassismus, politische Sprachfähigkeit sowie die Bedeutung von Partizipation, Beschwerdeverfahren und Interessenvertretung als Bestandteile professioneller Praxis. Ebenso werden psychosoziale und ethische Konsequenzen professionellen Handelns, die Grenzen fachlichen Einflusses sowie Spannungsverhältnisse zwischen Aktivierung, Selbstbestimmung, Schutz und institutionellen Vorgaben diskutiert. Abschließend wird der Blick auf Handlungsspielräume innerhalb sozialer Organisationen gerichtet und die Frage bearbeitet, wie demokratische Verantwortung, menschenrechtliche Orientierung und politische Bildung im professionellen Alltag konkret umgesetzt und begründet werden können. Ziel ist die Entwicklung einer professionellen Identität, die Menschenrechte, demokratische Verantwortung und politische Bildung als untrennbare Bestandteile Sozialer Arbeit versteht und Fachkräfte dazu befähigt, gesellschaftliche Herausforderungen reflektiert, begründet und handlungssicher zu bearbeiten.
Tag 3: Politische Bildung in sozialarbeiterischer Praxis
Block 5: Schnittstellen: politische Bildung im sozialarbeiterischen Alltag
Politische Bildung bildet einen integralen Bestandteil professioneller Sozialer Arbeit und eröffnet Räume, in denen gesellschaftliche Erfahrungen reflektiert, soziale Problemlagen eingeordnet und demokratische Handlungsfähigkeit entwickelt werden können. Dieser Block verbindet die zuvor erarbeiteten Grundlagen politischer Bildung mit zentralen Handlungsfeldern Sozialer Arbeit und arbeitet heraus, wie politische Bildungsprozesse innerhalb professioneller Beziehungen entstehen, begleitet und methodisch gestaltet werden können. Im Mittelpunkt steht die Analyse alltäglicher Beratungssituationen, Hilfeprozesse und pädagogischer Interaktionen als Bildungsanlässe, in denen individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, institutionellen Strukturen und politischen Rahmenbedingungen in Beziehung gesetzt werden. Politische Bildung erweitert sozialarbeiterisches Fallverstehen, indem sie biografische, soziale und gesellschaftliche Dimensionen professioneller Situationen miteinander verknüpft und dadurch differenzierte Perspektiven auf Teilhabe, Ausschluss, Anerkennung und soziale Gerechtigkeit eröffnet. Fachkräfte entwickeln ein Verständnis dafür, wie politische Bildung professionelle Diagnostik, Fallarbeit und Beziehungsgestaltung fachlich vertiefen und demokratische Teilhabe im sozialarbeiterischen Alltag stärken kann.
Darüber hinaus werden die Schnittstellen politischer Bildung mit Beratung, Hilfeplanung, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit, Netzwerkarbeit sowie lebensweltorientierten, kommunikativer, ethischer und sozialräumlichen Arbeitsansätzen herausgearbeitet. Die Teilnehmenden setzen sich mit Beteiligungsprozessen, Empowerment, Selbstvertretung und demokratischer Mitgestaltung als Bestandteilen professionellen Handelns auseinander und reflektieren die Bedeutung von Sprache, Perspektivübernahme und politischer Urteilsbildung für die Gestaltung tragfähiger Arbeitsbeziehungen. Politische Bildung wird dabei als reflexive Praxis verstanden, die gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar macht, unterschiedliche Deutungen professionell bearbeitet und Menschen dabei unterstützt, ihre Erfahrungen in größere soziale, politische und demokratische Kontexte einzuordnen. Im Zentrum steht die Entwicklung eines professionellen Selbstverständnisses, das politische Bildung als festen Bestandteil sozialarbeiterischer Praxis begreift und Fachkräfte dazu befähigt, demokratische Werte, Menschenrechtsorientierung und diskriminierungssensibles Handeln in unterschiedlichen Arbeitsfeldern fachlich begründet, methodisch reflektiert und situationsangemessen umzusetzen.
Block 6: Training: Moderation, Konflikt & pädagogische Handlungspraxis
Im abschließenden Block steht die professionelle Gestaltung politischer Bildungsprozesse in konkreten und praktibelen sozialarbeiterischen und pädagogischen Handlungskontexten und -matrizen im Mittelpunkt. Aufbauend auf den zuvor erarbeiteten fachlichen Grundlagen entwickeln die Teilnehmenden Handlungssicherheit für die Moderation gesellschaftlicher Konflikte sowie für die Gestaltung demokratischer Bildungs- und Aushandlungsprozesse im beruflichen Alltag. Anhand komplexer Fallkonstellationen und praxisnaher Situationen werden Methoden der Gesprächsführung, Moderation, Konfliktbearbeitung und Reflexion auf unterschiedliche sozialarbeiterische Arbeitsfelder übertragen und hinsichtlich ihrer fachlichen Möglichkeiten eingeordnet. Im Zentrum stehen professionelle Entscheidungen in Situationen, die durch unterschiedliche Interessen, widersprüchliche Perspektiven, Machtasymmetrien sowie gesellschaftliche Konfliktlinien geprägt sind. Die Teilnehmenden reflektieren die Bedeutung professioneller Haltung, pädagogischer Beziehungsgestaltung und methodischer Entscheidungen für die Entwicklung demokratischer Lern- und Erfahrungsräume sowie für eine diskriminierungssensible und menschenrechtsorientierte Praxis.
Darüber hinaus werden Moderations- und Interventionsstrategien für den Umgang mit Polarisierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, demokratiefeindlichen Narrativen, Diskriminierung und konflikthaften Gruppendynamiken entwickelt und praktisch erprobt. Behandelt werden demokratische Gesprächsführung, konstruktive Konfliktmoderation, professionelle Grenzziehung, Perspektivwechsel sowie der reflektierte Umgang mit Irritation, Ambiguität und emotional herausfordernden Situationen. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Frage auseinander, wie Kontroversität professionell begleitet, unterschiedliche Positionen sichtbar gemacht und demokratische Aushandlungsprozesse verantwortungsvoll moderiert werden können. Gleichzeitig reflektieren sie ihre eigene professionelle Rolle, ihr pädagogisches Selbstverständnis sowie die Verbindung von Menschenrechtsorientierung, demokratischer Verantwortung und fachlicher Ethik im konkreten Handeln. Ziel des Blocks ist die Entwicklung einer reflektierten Handlungspraxis, die politische Bildung, professionelle Soziale Arbeit und demokratische Verantwortung in der Gestaltung von Beratung, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit und weiteren sozialarbeiterischen Handlungsfeldern methodisch fundiert, fachlich begründet und handlungssicher miteinander verbindet.
Was erwartet dich?
● Fundiertes Verständnis politischer Bildung als demokratische Bildungs- und Reflexionspraxis
● Soziale Arbeit als gesellschaftlich eingebettete, menschenrechtsorientierte und politische Profession
● Politische Analyse-, Urteils- und Reflexionskompetenz im professionellen Handeln
● Machtkritisches und strukturell erweitertes Fallverstehen in sozialarbeiterischen Kontexten
● Reflexion von Hilfe, Kontrolle, Neutralität, professioneller Haltung und demokratischer Verantwortung
● Analyse gesellschaftlicher Konflikte, Machtverhältnisse, Diskriminierung und sozialer Ungleichheit
● Politische Bildung als Bestandteil professioneller Beratung, Beziehungsgestaltung und Gemeinwesenarbeit
● Moderation kontroverser, konfliktbehafteter und demokratischer Aushandlungsprozesse
● Handlungssicherheit für diskriminierungssensibles, partizipatives und menschenrechtsorientiertes Handeln
● Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die professionelle Praxis Sozialer Arbeit
● eine exklusive, multiprofessionelle, Intersektionale und multiprofessionelle Perspektive durch die multisystemische Zusammenarbeit von studioUNBEQUEM (Berlin) und dem Freien Institut für Soziale Interaktion – FIFSI (Mainz).
Die Fortbildung verbindet wissenschaftliche Grundlagen, sozialwissenschaftliche Analyse, politische Bildungsarbeit und professionelle Soziale Arbeit zu einem gemeinsamen Lern- und Reflexionsraum. Fachliche Impulse, Fallanalysen, Praxisreflexionen, dialogische Lehr-Lernformate und methodische Übungen werden systematisch miteinander verknüpft, um politische Bildung, sozialarbeiterisches Fallverstehen und professionelle Handlungskompetenz nachhaltig miteinander zu verbinden. Durch die Zusammenarbeit von Studio Unbequem und dem Freien Institut für Soziale Interaktion (FIFSI) fließen unterschiedliche fachliche Perspektiven in ein gemeinsames Fortbildungskonzept ein. Die Verbindung politischer Bildungsarbeit mit sozialarbeiterischer Expertise schafft einen intersektionalen, multisystemischen und multiprofessionellen Bezugsrahmen, der gesellschaftliche Analyse, professionelle Reflexion und praktische Handlungskompetenz auf wissenschaftlichem Niveau miteinander verbindet
Zertifizierung
Nach erfolgreicher Teilnahme an allen drei Fortbildungstagen erhalten die Teilnehmenden eine FIFSI- Teilnahmebescheinigung.
Diese Teilnahmebescheinigung dokumentiert:
• die vollständige Teilnahme,
• die vermittelten fachlichen Inhalte,
• die erworbenen Kompetenzen im Bereich professionellen Handelns,
• sowie den Abschluss des Curriculums in nachvollziehbarer Form.
Die Bescheinigung dient, aufgrund unserer hohen Qualitätsstandards, als qualifizierter Nachweis einer strukturierten Weiterbildung und kann gegenüber entprechenden Adressati:innen fundiert ausgewiesen werden.
Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikats ist die durchgängige und aktive Teilnahme an der Fortbildung.
Weiteres:
Kursleitung/ Referent:innen:
Shiraz Maysum/ CEO & Bildungsreferent FIFSI e. V. (er/ ihm)
Lisa Sebolad/ CEO & Bildungsreferentin studioUNBEQUEM (sie/ ihr)
Kursmaterialien:
Die Teilnehmeri:innen erhalten nach der Fortnidlug alle Folien, sowie ein umfangreiches Bild an anderen (Bildungs-) Materialien.
Termine 2026
dienstags & donnerstags/ 09:00 Uhr - 16:30 Uhr/ 8 Tage/ pro Durchgang max. 20 Teilnehmer:innen
- 1. Durchgang: 20. - 22. Oktober 2026
-> weitere Termine in 2027
