Online -Fortbildung 
"Politische Bildung x Soziale Arbeit
 - Professionelles Handeln zwischen Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung"

Gesellschaftliche Transformationsprozesse, soziale Ungleichheiten, demokratische Herausforderungen und politische Polarisierungen verändern die Anforderungen professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit grundlegend. Fachkräfte begegnen diesen Entwicklungen in Beratungsprozessen, pädagogischen Beziehungen, institutionellen Entscheidungen sowie in der Gestaltung von Beteiligungs- und Hilfeprozessen. Individuelle Lebenslagen stehen dabei in einem wechselseitigen Verhältnis zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen, politischen Rahmenbedingungen und institutionellen Strukturen. Professionelles Handeln bewegt sich folglich innerhalb eines komplexen Spannungsfeldes, in dem biografische Erfahrungen, soziale Problemlagen und gesellschaftliche Entwicklungen fortlaufend aufeinander einwirken und professionelle Wahrnehmungen, Bewertungen sowie Entscheidungen prägen.

Mit dieser Entwicklung gehen grundlegende fachliche und professionsbezogene Fragestellungen einher. Wie entstehen gesellschaftliche Deutungen sozialer Problemlagen und welche Bedeutung besitzen sie für professionelles Handeln? Welche Rolle spielen Machtverhältnisse, Institutionen und politische Prozesse bei der Entstehung, Bearbeitung und Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit? Wie lassen sich individuelle Erfahrungen und gesellschaftliche Bedingungen in professionellen Entscheidungsprozessen gleichermaßen berücksichtigen? Welche Verantwortung tragen Fachkräfte bei der Gestaltung demokratischer Teilhabe, im Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten sowie bei der Wahrung von Menschenrechten und professioneller Ethik? Und welche Bedeutung kommt politischer Bildung innerhalb sozialarbeiterischer Praxis zu, wenn gesellschaftliche Entwicklungen zunehmend unmittelbare Auswirkungen auf professionelle Beziehungen, pädagogische Prozesse und institutionelles Handeln entfalten?

Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit eines professionellen Bezugsrahmens, der politische Bildung und Soziale Arbeit nicht als voneinander getrennte Handlungsfelder, sondern als sich wechselseitig ergänzende Perspektiven professionellen Handelns versteht. Erforderlich ist ein analytischer Zugang, der gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar macht, professionelle Entscheidungen in ihren sozialen, politischen und institutionellen Kontexten verortet und die Verbindung zwischen demokratischer Verantwortung, Menschenrechtsorientierung und fachlicher Praxis systematisch reflektiert. Erst auf dieser Grundlage können soziale Situationen in ihrer Komplexität verstanden, professionelle Handlungsspielräume begründet erschlossen und pädagogische sowie sozialarbeiterische Interventionen fachlich fundiert gestaltet werden.

Die vorliegende Fortbildung entwickelt einen solchen Bezugsrahmen. Sie verbindet politische Bildung und Soziale Arbeit zu einer gemeinsamen professionellen, sowie ethisch vertretbaren Perspektive und eröffnet einen systematischen Lernprozess, der gesellschaftliche Analyse, welche professionsbezogene Reflexion und pädagogische Handlungskompetenz miteinander verknüpft. Ziel ist die Entwicklung einer reflektierten Professionalität, die gesellschaftliche Entwicklungen analytisch einordnet, demokratische Verantwortung und Menschenrechte als handlungsleitende Prinzipien versteht und daraus begründete, diskriminierungssensible und handlungssichere Praxis entwickelt.

 

Curriculum:

Tag 1: Politische Bildung: Analyse & Rahmung

Block 1: Grundlagen politischer Bildung: Begriffe, Prinzipien & Bildungsverständnis

Politische Bildung beginnt dort, wo gesellschaftliche Wirklichkeit zum Gegenstand gemeinsamer Auseinandersetzung wird. In diesem Block geht es zunächst um die Frage, welche Funktion politische Bildung in demokratischen Gesellschaften übernimmt und welche fachlichen Grundannahmen ihr zugrunde liegen. Betrachtet werden Bildungsprozesse, die Menschen darin stärken, politische und soziale Entwicklungen zu deuten, Konfliktlagen zu erkennen, begründete Urteile zu formulieren und Möglichkeiten gesellschaftlicher Mitwirkung zu erschließen. Im Zentrum steht die Entwicklung von Orientierungs-, Reflexions- und Handlungsfähigkeit. Darauf aufbauend werden wesentliche Begriffe und Zielvorstellungen des Feldes systematisiert. 

Demokratie wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: als politische Ordnung, als gesellschaftliches Prinzip und als Form des Zusammenlebens. Daran schließen Fragen nach Mündigkeit, Urteilsvermögen, Teilhabe und demokratischer Handlungsfähigkeit an. Die Teilnehmenden untersuchen, wie individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlichen Strukturen zusammenhängen und welche Bedeutung Sprache, Wissen, Machtverhältnisse und Konflikte für politische Lernprozesse besitzen. So wird politische Bildung als Arbeit an widersprüchlichen Perspektiven, konkurrierenden Interessen und normativen Fragen greifbar.

Ein eigener Schwerpunkt widmet sich den fachlichen Orientierungen politischer Bildungsarbeit. Dazu gehören der Beutelsbacher Konsens, Kontroversität, Überwältigungsverbot, professionelle Verantwortung und demokratische Positionierung. Besprochen wird außerdem, wie sich Neutralitätsvorstellungen zu einem Bildungsauftrag verhalten, der auf Demokratie und Menschenrechte bezogen ist. Menschenrechtsbildung wird dabei als Referenzrahmen einbezogen, über den politische Bildungsprozesse fachlich begründet und normative Bezugspunkte transparent gemacht werden können. Darüber hinaus richtet sich der Blick auf anspruchsvolle Situationen politischer Bildungsarbeit. Mehrdeutigkeit, Unsicherheit, gesellschaftliche Polarisierung und widersprüchliche Deutungen gehören zum professionellen Alltag. Die Teilnehmenden setzen sich damit auseinander, wie unterschiedliche Perspektiven aufgenommen und eingeordnet werden können, ohne analytische Unterscheidungen zu verlieren. Dazu zählt die Differenzierung zwischen empirischen Aussagen, politischen Bewertungen und normativen Setzungen. Ebenso wird diskutiert, wie Bildungsräume mit demokratiefeindlichen, ausgrenzenden oder menschenfeindlichen Positionen umgehen und demokratische sowie menschenrechtliche Grenzen fachlich begründet werden.
Der Block schafft ein gemeinsames theoretisches und professionelles Fundament für die weitere Fortbildung. Ziel ist, politische Bildung als eigenständiges Arbeitsfeld mit demokratischem Auftrag und einem reflektierten Verhältnis zu gesellschaftlichen Konflikten zu erfassen. Die Teilnehmenden schärfen ihren Blick für die eigene professionelle Rolle und entwickeln einen Bezugsrahmen, mit dem politische Bildungsprozesse analysiert, gestaltet und begründet werden können.

 

Block 2: Gesellschaftliche Konflikte, Machtverhältnisse & politische Deutung

Gesellschaftliche Konflikte, Machtverhältnisse und politische Deutungen stehen im Zentrum dieses Blocks. Ausgangspunkt ist die Frage, wie gesellschaftliche Wirklichkeit entsteht, wer an ihrer Gestaltung beteiligt ist und welche Bedingungen darüber entscheiden, welche Interessen, Erfahrungen und Perspektiven öffentlich wirksam werden. Politische Entwicklungen werden als Ergebnis historischer, ökonomischer und institutioneller Prozesse betrachtet. Konflikte erscheinen so als Ausdruck unterschiedlicher Interessenlagen, ungleicher Ressourcenverteilung und verschieden verteilter Möglichkeiten, gesellschaftliche Entscheidungen zu beeinflussen.

Die Teilnehmenden setzen sich mit Macht- und Herrschaftsverhältnissen, sozialer Ungleichheit, Diskriminierung, Klassismus, Rassismus und weiteren Formen struktureller Benachteiligung auseinander. Analysiert wird, wie gesellschaftliche Kategorien, Institutionen und politische Entscheidungen Teilhabechancen prägen und welche Folgen dies für Sichtbarkeit, Repräsentation und Zugang zu Ressourcen hat. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie gesellschaftliche Probleme individualisiert oder entpolitisiert werden und welche Auswirkungen solche Deutungen auf professionelles Handeln haben. Darüber hinaus werden demokratische Spannungsfelder aufgegriffen. Dazu zählen gesellschaftliche Polarisierung, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, demokratiefeindliche Narrative und Radikalisierungsprozesse. Untersucht werden individuelle Orientierungsmuster ebenso wie soziale Bedingungen, unter denen Menschen Zugehörigkeit und politische Handlungsfähigkeit suchen. Ziel ist es, Konflikte differenziert einzuordnen und Handlungsmöglichkeiten demokratischer Bildung sichtbar zu machen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entstehung politischer Deutungen. Sprache, Framing, Medien, digitale Öffentlichkeiten, soziale Netzwerke und Akteur:innen beeinflussen, wie Themen wahrgenommen und bewertet werden. Die Teilnehmenden beschäftigen sich damit, wie Narrative entstehen, welche Deutungsmuster sich durchsetzen und wie politische Wirklichkeit kommunikativ hergestellt wird. Historische und transnationale Perspektiven erweitern die Analyse um Kolonialgeschichte, globale Verflechtungen, Migration und gesellschaftliche Transformationsprozesse. Multiperspektivität und interdisziplinäre Zugänge bilden wichtige Grundlagen für die Analyse komplexer Zusammenhänge. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, widersprüchliche Interessen, Erfahrungsräume und Wissensbestände miteinander in Beziehung zu setzen. Reflexionsfähigkeit, Perspektivwechsel und Diskurskompetenz unterstützen einen professionellen Umgang mit Kontroversen und demokratischer Verständigung.
Ziel des Blocks ist die Entwicklung einer politisch-reflexiven Analysekompetenz. Die Teilnehmenden stärken ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Macht- und Konfliktverhältnisse zu erkennen, politische Deutungsangebote einzuordnen und soziale Situationen in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen zu verstehen. Diese Perspektiven bilden die Grundlage für fachlich fundierte Bildungsprozesse.

 

Tag 2: Soziale Arbeit: Fallverstehen, Machtkritik & professionelle Praxis

Block 3: Soziale Arbeit als politische Praxis – Hilfe, Kontrolle und gesellschaftliche Machtverhältnisse

Soziale Arbeit wird häufig als helfende, beratende oder unterstützende Praxis verstanden, während ihre politische Dimension im professionellen Alltag oftmals weniger sichtbar erscheint. Dieser Block greift dieses verbreitete Verständnis auf und setzt sich mit der Vorstellung auseinander, Soziale Arbeit könne unabhängig von gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen oder als politisch neutrale Profession verstanden werden. Im Mittelpunkt stehen die grundlegenden Spannungsverhältnisse professionellen Handelns: Hilfe und Kontrolle, Unterstützung und Normalisierung, Schutz und Selbstbestimmung, Beteiligung und paternalistische Fürsorge sowie das Verhältnis zwischen individueller Fallarbeit und den strukturellen Ursachen sozialer Problemlagen. Zugleich wird der Zusammenhang zwischen institutionellen Aufträgen, staatlichen und organisationalen Vorgaben, professioneller Verantwortung sowie den Rechten der Adressat:innen analysiert. Deutlich wird, dass Soziale Arbeit gesellschaftliche Wirklichkeit nicht ausschließlich bearbeitet, sondern durch professionelle Bewertungen, institutionelle Entscheidungen und die Gestaltung von Zugängen selbst an ihrer Hervorbringung beteiligt ist. Darüber hinaus wird herausgearbeitet, wie sozialpolitische Entwicklungen, gesellschaftliche Transformationsprozesse und institutionelle Rahmenbedingungen professionelles Handeln beeinflussen und welche Auswirkungen diese auf Teilhabe, Anerkennung und soziale Gerechtigkeit haben.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Machtverhältnissen, die professionelles Handeln strukturieren. Fachkräfte verfügen über Deutungs-, Entscheidungs- und Handlungsmacht, indem sie Situationen interpretieren, Unterstützungsbedarfe definieren, Hilfen bewilligen oder begrenzen und institutionelle Verfahren gestalten. Sprache, Diagnosen, Dokumentationen und fachliche Kategorien werden deshalb nicht als neutrale Abbildungen sozialer Wirklichkeit verstanden, sondern als professionelle Deutungsangebote mit konkreten Auswirkungen auf Teilhabe, Anerkennung und Ausschluss. Thematisiert werden Wahrnehmungs- und Deutungsbiases, institutionelle Ausschlussmechanismen, strukturelle Diskriminierung sowie die Tendenz, gesellschaftlich verursachte Problemlagen zu individualisieren oder zu entpolitisieren. Politische Frustration, soziale Isolation und Radikalisierungsdynamiken werden dabei in ihren sozialen, institutionellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen betrachtet. Ziel des Blocks ist die Entwicklung eines professionellen Verständnisses Sozialer Arbeit als machtbewusste, menschenrechtsorientierte und demokratisch verantwortliche Praxis, die gesellschaftliche Bedingungen nicht nur berücksichtigt, sondern kritisch reflektiert, professionelle Handlungsspielräume bewusst nutzt und aktiv zur Gestaltung einer diskriminierungssensiblen und demokratischen Gesellschaft beiträgt.

 

Block 4: Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession – Mandate, politische Bildung und demokratische Verantwortung

Aufbauend auf den zuvor sichtbar gemachten Spannungsverhältnissen vermittelt dieser Block ein professionelles Verständnis Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession, deren Auftrag sich nicht auf individuelle Unterstützung beschränkt, sondern immer auch gesellschaftliche Verantwortung einschließt. Soziale Arbeit wird dabei als demokratische Praxis verstanden, die sich im Spannungsfeld von Hilfe, Kontrolle, institutionellen Erwartungen, politischen Rahmenbedingungen und den Rechten der Adressat:innen bewegt. Im Mittelpunkt stehen Profession und Professionalität, multisystemische Mandatsysteme, menschenrechtliche und professionsethische Grundlagen sowie die Frage, wie fachliche Entscheidungen unter widersprüchlichen Anforderungen verantwortungsvoll begründet und gestaltet werden können. Thematisiert werden Neutralitätsverständnisse, professionelle Rollen, Selbstklärung, Authentizität, fachliche Positionierung sowie die Bedeutung einer reflektierten Haltung für demokratisches, diskriminierungssensibles und menschenrechtsorientiertes, sowie psychosozial reflektiertes Handeln. Ziel ist es, die dimensional zu reflektierende politische Dimension professioneller Verantwortung sichtbar zu machen und die eigene Rolle als Fachkraft zwischen institutionellen Aufträgen, gesellschaftlichen Erwartungen und den Interessen der Adressat:innen kritisch zu reflektieren und stets multidimensional zu betrachten.

Darüber hinaus setzt sich der Block mit der politischen Dimension professioneller Praxis auseinander und arbeitet heraus, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse, institutionelle Logiken und politische Entscheidungen soziale Problemlagen beeinflussen und professionelles Handeln strukturieren. Die Teilnehmenden reflektieren, welche Verantwortung Fachkräfte bei der Förderung von Teilhabe, Selbstvertretung, Empowerment und demokratischer Mitgestaltung übernehmen und wie politische Bildung zur Stärkung von Handlungsmöglichkeiten im sozialarbeiterischen Alltag beitragen kann. Behandelt werden Diskriminierungssensibilität, Intersektionalität, Klassismus, politische Sprachfähigkeit sowie die Bedeutung von Partizipation, Beschwerdeverfahren und Interessenvertretung als Bestandteile professioneller Praxis. Ebenso werden psychosoziale und ethische Konsequenzen professionellen Handelns, die Grenzen fachlichen Einflusses sowie Spannungsverhältnisse zwischen Aktivierung, Selbstbestimmung, Schutz und institutionellen Vorgaben diskutiert. Abschließend wird der Blick auf Handlungsspielräume innerhalb sozialer Organisationen gerichtet und die Frage bearbeitet, wie demokratische Verantwortung, menschenrechtliche Orientierung und politische Bildung im professionellen Alltag konkret umgesetzt und begründet werden können. Ziel ist die Entwicklung einer professionellen Identität, die Menschenrechte, demokratische Verantwortung und politische Bildung als untrennbare Bestandteile Sozialer Arbeit versteht und Fachkräfte dazu befähigt, gesellschaftliche Herausforderungen reflektiert, begründet und handlungssicher zu bearbeiten.

 

Tag 3: Politische Bildung in sozialarbeiterischer Praxis

Block 5: Schnittstellen: politische Bildung im sozialarbeiterischen Alltag

Politische Bildung bildet einen integralen Bestandteil professioneller Sozialer Arbeit und eröffnet Räume, in denen gesellschaftliche Erfahrungen reflektiert, soziale Problemlagen eingeordnet und demokratische Handlungsfähigkeit entwickelt werden können. Dieser Block verbindet die zuvor erarbeiteten Grundlagen politischer Bildung mit zentralen Handlungsfeldern Sozialer Arbeit und arbeitet heraus, wie politische Bildungsprozesse innerhalb professioneller Beziehungen entstehen, begleitet und methodisch gestaltet werden können. Im Mittelpunkt steht die Analyse alltäglicher Beratungssituationen, Hilfeprozesse und pädagogischer Interaktionen als Bildungsanlässe, in denen individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, institutionellen Strukturen und politischen Rahmenbedingungen in Beziehung gesetzt werden. Politische Bildung erweitert sozialarbeiterisches Fallverstehen, indem sie biografische, soziale und gesellschaftliche Dimensionen professioneller Situationen miteinander verknüpft und dadurch differenzierte Perspektiven auf Teilhabe, Ausschluss, Anerkennung und soziale Gerechtigkeit eröffnet. Fachkräfte entwickeln ein Verständnis dafür, wie politische Bildung professionelle Diagnostik, Fallarbeit und Beziehungsgestaltung fachlich vertiefen und demokratische Teilhabe im sozialarbeiterischen Alltag stärken kann.

Darüber hinaus werden die Schnittstellen politischer Bildung mit Beratung, Hilfeplanung, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit, Netzwerkarbeit sowie lebensweltorientierten, kommunikativer, ethischer und sozialräumlichen Arbeitsansätzen herausgearbeitet. Die Teilnehmenden setzen sich mit Beteiligungsprozessen, Empowerment, Selbstvertretung und demokratischer Mitgestaltung als Bestandteilen professionellen Handelns auseinander und reflektieren die Bedeutung von Sprache, Perspektivübernahme und politischer Urteilsbildung für die Gestaltung tragfähiger Arbeitsbeziehungen. Politische Bildung wird dabei als reflexive Praxis verstanden, die gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar macht, unterschiedliche Deutungen professionell bearbeitet und Menschen dabei unterstützt, ihre Erfahrungen in größere soziale, politische und demokratische Kontexte einzuordnen. Im Zentrum steht die Entwicklung eines professionellen Selbstverständnisses, das politische Bildung als festen Bestandteil sozialarbeiterischer Praxis begreift und Fachkräfte dazu befähigt, demokratische Werte, Menschenrechtsorientierung und diskriminierungssensibles Handeln in unterschiedlichen Arbeitsfeldern fachlich begründet, methodisch reflektiert und situationsangemessen umzusetzen.

 

Block 6: Training: Moderation, Konflikt & pädagogische Handlungspraxis

Im abschließenden Block steht die professionelle Gestaltung politischer Bildungsprozesse in konkreten und praktibelen sozialarbeiterischen und pädagogischen Handlungskontexten und -matrizen im Mittelpunkt. Aufbauend auf den zuvor erarbeiteten fachlichen Grundlagen entwickeln die Teilnehmenden Handlungssicherheit für die Moderation gesellschaftlicher Konflikte sowie für die Gestaltung demokratischer Bildungs- und Aushandlungsprozesse im beruflichen Alltag. Anhand komplexer Fallkonstellationen und praxisnaher Situationen werden Methoden der Gesprächsführung, Moderation, Konfliktbearbeitung und Reflexion auf unterschiedliche sozialarbeiterische Arbeitsfelder übertragen und hinsichtlich ihrer fachlichen Möglichkeiten eingeordnet. Im Zentrum stehen professionelle Entscheidungen in Situationen, die durch unterschiedliche Interessen, widersprüchliche Perspektiven, Machtasymmetrien sowie gesellschaftliche Konfliktlinien geprägt sind. Die Teilnehmenden reflektieren die Bedeutung professioneller Haltung, pädagogischer Beziehungsgestaltung und methodischer Entscheidungen für die Entwicklung demokratischer Lern- und Erfahrungsräume sowie für eine diskriminierungssensible und menschenrechtsorientierte Praxis.

Darüber hinaus werden Moderations- und Interventionsstrategien für den Umgang mit Polarisierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, demokratiefeindlichen Narrativen, Diskriminierung und konflikthaften Gruppendynamiken entwickelt und praktisch erprobt. Behandelt werden demokratische Gesprächsführung, konstruktive Konfliktmoderation, professionelle Grenzziehung, Perspektivwechsel sowie der reflektierte Umgang mit Irritation, Ambiguität und emotional herausfordernden Situationen. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Frage auseinander, wie Kontroversität professionell begleitet, unterschiedliche Positionen sichtbar gemacht und demokratische Aushandlungsprozesse verantwortungsvoll moderiert werden können. Gleichzeitig reflektieren sie ihre eigene professionelle Rolle, ihr pädagogisches Selbstverständnis sowie die Verbindung von Menschenrechtsorientierung, demokratischer Verantwortung und fachlicher Ethik im konkreten Handeln. Ziel des Blocks ist die Entwicklung einer reflektierten Handlungspraxis, die politische Bildung, professionelle Soziale Arbeit und demokratische Verantwortung in der Gestaltung von Beratung, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit und weiteren sozialarbeiterischen Handlungsfeldern methodisch fundiert, fachlich begründet und handlungssicher miteinander verbindet.

Was erwartet dich?

● Fundiertes Verständnis politischer Bildung als demokratische Bildungs- und Reflexionspraxis

● Soziale Arbeit als gesellschaftlich eingebettete, menschenrechtsorientierte und politische Profession

● Politische Analyse-, Urteils- und Reflexionskompetenz im professionellen Handeln

● Machtkritisches und strukturell erweitertes Fallverstehen in sozialarbeiterischen Kontexten

● Reflexion von Hilfe, Kontrolle, Neutralität, professioneller Haltung und demokratischer Verantwortung

● Analyse gesellschaftlicher Konflikte, Machtverhältnisse, Diskriminierung und sozialer Ungleichheit

● Politische Bildung als Bestandteil professioneller Beratung, Beziehungsgestaltung und Gemeinwesenarbeit

● Moderation kontroverser, konfliktbehafteter und demokratischer Aushandlungsprozesse

● Handlungssicherheit für diskriminierungssensibles, partizipatives und menschenrechtsorientiertes Handeln

● Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die professionelle Praxis Sozialer Arbeit

● eine exklusive, multiprofessionelle, Intersektionale und multiprofessionelle Perspektive.

Die Fortbildung verbindet wissenschaftliche Grundlagen, sozialwissenschaftliche Analyse, politische Bildungsarbeit und professionelle Soziale Arbeit zu einem gemeinsamen Lern- und Reflexionsraum. Fachliche Impulse, Fallanalysen, Praxisreflexionen, dialogische Lehr-Lernformate und methodische Übungen werden systematisch miteinander verknüpft, um politische Bildung, sozialarbeiterisches Fallverstehen und professionelle Handlungskompetenz nachhaltig miteinander zu verbinden. Die Verbindung politischer Bildungsarbeit mit sozialarbeiterischer Expertise schafft einen intersektionalen, multisystemischen und multiprofessionellen Bezugsrahmen, der gesellschaftliche Analyse, professionelle Reflexion und praktische Handlungskompetenz auf wissenschaftlichem Niveau miteinander verbindet

Zertifizierung

Nach erfolgreicher Teilnahme an allen drei Fortbildungstagen erhalten die Teilnehmenden eine FIFSI- Teilnahmebescheinigung.
Diese Teilnahmebescheinigung dokumentiert:
    •    die vollständige Teilnahme,
    •    die vermittelten fachlichen Inhalte,
    •    die erworbenen Kompetenzen im Bereich professionellen Handelns,
    •    sowie den Abschluss des Curriculums in nachvollziehbarer Form.

Die Bescheinigung dient, aufgrund unserer hohen Qualitätsstandards, als qualifizierter Nachweis einer strukturierten Weiterbildung und kann gegenüber entprechenden Adressati:innen fundiert ausgewiesen werden.

Weiteres:

Kursleitung/ Referent:innen:

Shiraz Maysum/ Gründer & Geschäftsführer FIFSI e. V.  (er/ ihm)

Kursmaterialien:

Die Teilnehmeri:innen erhalten nach der Fortnidlug alle Folien, sowie ein umfangreiches Bild an anderen (Bildungs-) Materialien. 

Termine 2026

dienstag bis donnerstag/ 09:00 Uhr - 16:30 Uhr/ 3 Tage/ pro Durchgang max. 20 Teilnehmer:innen

  • 1. Durchgang: 20. - 22. Oktober 2026 

 

-> weitere Termine in 2027

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