Kritisches Weißsein -
Macht, Privileg und Positioniertheit in Alltag und Profession
1 Tag · Online/ Präsenz
inkl. FIFSI-Zertifikat
Gruppengröße: max. 20 Teilnehmende
Termine: Siehe Terminübersicht
Kosten: 220€
Kursleitung: Shiraz Maysum (er/ ihm) M.A.

CONCEPT & APPROACH.
Kritisches Weißsein eröffnet eine analytische Perspektive auf Rassismus, die gesellschaftliche Machtverhältnisse, weiße Normativität und die strukturelle Verteilung von Privilegien in den Mittelpunkt rückt. Rassismus wird dabei als historisch und gesellschaftlich hervorgebrachtes und verankertes Verhältnis betrachtet, das soziale Ordnungen, institutionelle Strukturen und alltägliche Wissensbestände auf vielen verschiedenen Ebenen prägt.
Kritisches Weißsein richtet die Aufmerksamkeit insbesondere auf jene Positionen, Normen und Privilegien, die innerhalb dieser Verhältnisse häufig unmarkiert und damit zu oft selbstverständlich bleiben. Einen zentralen Bezugspunkt bildet dabei das Verständnis von Weißsein als gesellschaftlicher Positioniertheit. In Anlehnung an Ruth Frankenberg lässt sich Weißsein u.a. sowohl als Ort struktureller Vorteile und rassifizierter Privilegien als auch als gesellschaftlicher Standpunkt begreifen, von dem aus Wirklichkeit erfahren und gedeutet wird.
Damit rücken die Bedingungen der eigenen Wahrnehmung in den Fokus: Sozialisation, biografische Erfahrungen und gesellschaftliche Positionierung strukturieren mit, was als normal, glaubwürdig, angemessen oder selbstverständlich wahrgenommen wird.
Diese Perspektive schließt Fragen nach Deutungsmacht und epistemischer Autorität ein. Gesellschaftliche Macht zeigt sich auch darin, welches Wissen Anerkennung erhält, wessen Erfahrungen als glaubwürdig gelten und welche Perspektiven institutionell handlungsleitend werden. Die Auseinandersetzung mit Weißsein berührt damit nicht nur Fragen von Privilegierung und Teilhabe, sondern ebenso die Produktion, Anerkennung und Durchsetzung gesellschaftlichen Wissens. Diese Dimension wird innerhalb der Fortbildung unter anderem über Deutungshoheit und epistemische Machtverhältnisse erschlossen.
Für professionelle Praxis erhält diese Analyse eine besondere Relevanz. Fachkräfte beobachten, interpretieren, kategorisieren, dokumentieren und entscheiden innerhalb institutioneller Machtverhältnisse. Ihre Einschätzungen strukturieren Hilfeprozesse, beeinflussen Beteiligungsmöglichkeiten und können weitreichende Folgen für Adressat:innen, einer sozialpädagogischen und/ oder psychologischen Zuwendung, haben. Die Reflexion gesellschaftlicher Positioniertheit und professioneller Deutungsmacht wird damit auch zu einer Frage fachlicher Qualität: Wie entstehen unsere Wahrnehmungen und Bewertungen und welche gesellschaftlichen Verhältnisse wirken in ihnen fort?
Die kontinuierliche Reflexion dieser Thematik bildet damit eine zentrale Voraussetzung für ein machtkritisches, diskriminierungssensibles und selbstreflexives Verständnis professionellen Handelns und damit für eine Fachlichkeit, die sich ihrer eigenen gesellschaftlichen Positioniertheit und institutionellen Macht bewusst ist.
Unsere Fortbildungen folgen einem reflexiven Lernverständnis, das fachliche Erkenntnis nicht bei der Wissensvermittlung enden lässt: Wir problematisieren bestehende Selbstverständlichkeiten, fundieren sie theoretisch, erproben neue Analyse- und Handlungsperspektiven und übertragen diese auf konkrete Praxiszusammenhänge.
PROBLEMATISIEREN.
Rassismus ist in gesellschaftliche und institutionelle Strukturen, Wissensbestände und Routinen eingeschrieben, während Weißsein als Normposition häufig unmarkiert bleibt. Diese Leerstelle prägt Wahrnehmung, Bewertung und professionelles Handeln – mit Folgen für Beziehung, Vertrauen, Beteiligung und die Qualität fachlicher Prozesse. Rassismuskritische Reflexivität ist damit zugleich eine Frage von Diskriminierungsschutz und professioneller Wirksamkeit.
INFORMIEREN.
Kritisches Weißsein stellt Begriffe und analytische Zugänge bereit, um diese Zusammenhänge sichtbar und fachlich beschreibbar zu machen. Perspektiven auf Privilegierung, weiße Normativität, Positioniertheit, Dominanzkultur und Deutungsmacht ermöglichen eine differenzierte Analyse rassistischer Machtverhältnisse und ihrer Wirkung in Alltag und Profession.
TRAINIEREN.
Die theoretischen Perspektiven werden auf konkrete Situationen, Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse übertragen. An Fallkonstellationen und eigenen Praxisbezügen wird analysiert, wie Normalitätsvorstellungen, Zuschreibungen und Positioniertheit in Interaktionen und professionelle Entscheidungen einfließen – und wie machtkritische Reflexivität praktisch handlungswirksam werden kann.
TRANSFERIEREN.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden auf die eigene Lebens- und Berufspraxis bezogen und in konkrete Handlungsperspektiven übersetzt. Im Mittelpunkt steht eine reflexive Fachlichkeit, die Positioniertheit und Macht kontinuierlich mitdenkt und dadurch Beziehungsgestaltung, Kommunikation, fachliche Einschätzungen und institutionelle Praxis diskriminierungssensibler und professioneller gestaltet.


CURRICULUM OVERVIEW.
Das Curriculum verbindet theoretische Grundlagen des Kritischen Weißseins mit gesellschaftlicher Machtanalyse, professioneller Reflexion und konkreten Handlungsperspektiven. Die sechs Schwerpunkte bauen aufeinander auf und führen von der theoretischen Fundierung über die Analyse eigener Positioniertheit bis zur professionellen Praxis.
01
Kritisches Weißsein und Positioniertheit
Einführung in zentrale Perspektiven des Kritischen Weißseins. Im Mittelpunkt stehen Weißsein als gesellschaftliche Position, die Reflexion eigener Positioniertheit sowie die Frage, wie gesellschaftliche Normen, Privilegien und rassistische Machtverhältnisse Wahrnehmung und soziale Wirklichkeit strukturieren.
02
Privileg, Normativität & Macht
Auseinandersetzung mit der strukturellen Wirkung von Privilegierung und gesellschaftlichen Normalitätsvorstellungen. Analysiert wird, wie bestehende Machtverhältnisse Zugänge, Zugehörigkeit und Anerkennung prägen und welche Bedeutung weiße Normativität für individuelle, gesellschaftliche und institutionelle Prozesse entfaltet.
03
Dominanztkultur & Deutungshoheit
Vertiefung der Frage, wie Macht durch Sprache, Wissen, institutionelle Routinen und professionelle Kategorien wirksam wird. Im Fokus stehen Dominanzkultur und Deutungshoheit sowie die Bedingungen, unter denen unterschiedliche Perspektiven gesellschaftliche und institutionelle Anerkennung erfahren.
04
Wahrnehmung,
Abwehr, Reflexivität
Reflexion eigener Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster sowie emotionaler Dynamiken in der Auseinandersetzung mit Rassismus und Privilegierung. Untersucht wird, wie Irritation und Abwehr entstehen und welche Bedeutung reflexive Fähigkeiten für eine konstruktive rassismuskritische Auseinandersetzung haben.
05
Professionelle Praxis & Machtkritik
Übertragung der machtkritischen Perspektive auf professionelle Kontexte wie Beziehungsgestaltung, Fallverstehen, fachliche Sprache und Entscheidungsprozesse. Analysiert wird, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse in professionellen Routinen wirksam werden und durch eine reflexive Fachlichkeit bearbeitet werden können.
06
Transfer und
Perspektiven
Zusammenführung theoretischer, analytischer und reflexiver Perspektiven mit der eigenen Lebens- und Berufspraxis. Entwickelt werden konkrete Ansatzpunkte, um gesellschaftliche Positioniertheit, Machtverhältnisse und Diskriminierungsrisiken im eigenen Handlungsfeld bewusster wahrzunehmen und kontinuierlich in professionelles Handeln einzubeziehen.
ZIELGRUPPE.
Die Fortbildung richtet sich an Sozialpädagoginnen, Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen, Psychotherapeutinnen, Fachkräfte angrenzender Disziplinen sowie fachlich Interessierte, die sich fundiert mit Kritischem Weißsein, gesellschaftlicher Positioniertheit und rassismuskritischer Reflexivität auseinandersetzen möchten.
WAS DU LERNST.
→ Kritisches Weißsein fachlich einordnen und zentrale theoretische Konzepte sicher in gesellschaftliche und professionelle Zusammenhänge einbetten.
→ Weiße Normativität und Privilegierungsstrukturen erkennen und deren Wirkung auf Wahrnehmung, Zugehörigkeit, Teilhabe und institutionelle Prozesse analysieren.
→ die eigene gesellschaftliche Positioniertheit reflektieren und deren Bedeutung für Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Deutungsprozesse differenziert erfassen.
→ Macht- und Deutungsverhältnisse analysieren und nachvollziehen, wie Sprache, Wissen, Routinen und professionelle Kategorien gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse reproduzieren können.
→ rassismuskritische Perspektiven auf professionelle Praxis übertragen und Beziehungsgestaltung, Fallverstehen, Kommunikation und fachliche Entscheidungen machtsensibel reflektieren.
→ konkrete Handlungsperspektiven entwickeln, um rassismuskritische Reflexivität dauerhaft in die eigene Lebens- und Berufspraxis sowie institutionelle Zusammenhänge zu integrieren.
1 TAG/
8 UE
online oder in Präsenz
PAX
20
max. Teilnehmer:innen
220
€
Gebühr/ Person
TERMINE.
2026/
14. Dezember (online)
2027/
21. Januar (online)
22. März (online)
07. April (Präsenz)
20. Mai(online)
08. Juli (Präsenz)
23. September (online)
01. Dezember (online)
Präsenztermine finden im Zentrum für Bildung und Gesellshcaft (ZBG) in der Albert-Schweitzer-Straße 113–115, in 55128 Mainz statt.
220 €




DOZENT:IN/
Shiraz Maysum M.A. (er/ihm)
Shiraz´ Arbeitsschwerpunkte liegen hier an der Schnittstelle von diskriminierungssensibler Sozialer Arbeit, Sozialpsychologie, politischer Bildung und Professionsethik. In der Fortbildung verbindet er rassismus- und machtkritische Perspektiven mit sozialpsychologischen Zugängen zu Wahrnehmung, Positioniertheit und Deutungsmacht. Im Mittelpunkt steht deren Übertragung auf professionelle Beziehungsgestaltung, institutionelle Strukturen und die Reflexion des eigenen fachlichen Handelns.

