Machtkritische und diskriminierungssensible Soziale Arbeit
Macht, Fallverstehen und professionelle Handlungspraxis
2 Tage · Online/ Präsenz
inkl. FIFSI-Zertifikat
Gruppengröße: max. 16 Teilnehmende
Termine: Siehe Terminübersicht
Kosten: 390€
Kursleitung: Shiraz Maysum (er/ ihm) M.A.

KONZEPT & ANSATZ.
Soziale Arbeit ist in gesellschaftliche Verhältnisse eingebunden, in denen Macht die Verteilung von Ressourcen, Anerkennung, Teilhabe und Handlungsmöglichkeiten prägt. Zugleich verfügen Fachkräfte über professionelle und institutionelle Macht: Sie deuten Situationen, bewerten Bedarfe, gestalten Hilfeprozesse und wirken an Entscheidungen mit. Machtkritische und diskriminierungssensible Professionalität verbindet deshalb die Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse mit der Reflexion der eigenen Position und des fachlichen Handelns.
Die Fortbildung entwickelt ein Verständnis dafür, wie Macht und Normalität soziale Wirklichkeit strukturieren. Vorstellungen darüber, was als selbstverständlich, angemessen oder abweichend gilt, entstehen innerhalb gesellschaftlicher Ordnungen und prägen Wahrnehmung, Zugehörigkeit und Bewertung. Die Auseinandersetzung mit Positioniertheit richtet den Blick darauf, wie Menschen innerhalb dieser Verhältnisse unterschiedlich verortet sind. Für Fachkräfte wird damit die eigene gesellschaftliche und professionelle Position als wirksamer Bestandteil von Beziehungen und Entscheidungen reflektierbar. Daran schließt die Analyse von Diskriminierungsverhältnissen an. Diskriminierung wird als gesellschaftliches Machtverhältnis verstanden, das sich in institutionellen Routinen, Wissensordnungen, Sprache und Entscheidungen konkretisiert. Eine intersektionale Perspektive untersucht das Zusammenwirken sozialer Ungleichheitsverhältnisse und macht sichtbar, wie Positionierungen gemeinsam Lebensbedingungen und Erfahrungen hervorbringen. So entsteht ein Fallverständnis, das individuelle Situationen mit ihren gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen verbindet.
Der zweite Teil dieser Fortbildung überführt diese Perspektive in die professionelle Wahrnehmung und das individuelle Fallverstehen. Fachkräfte verarbeiten komplexe Situationen, ordnen Informationen, bilden Kategorien und entwickeln Erklärungen. Eigene Erfahrungen, Erwartungen, Wissensbestände und institutionelle Bedingungen beeinflussen dabei, welche Informationen Bedeutung erhalten und welche abstrakten Arbeitshypothesen dabei entstehen. Diskriminierungssensibles Fallverstehen macht diese Prozesse reflexiv zugänglich: Beobachtung und Deutung werden differenziert, Zuschreibungen fachlich geprüft und alternative Erklärungen systematisch erschlossen.
Im Mittelpunkt steht ein Fallverständnis, das Verhalten im Zusammenhang mit Lebensbedingungen, Erfahrungen, sozialen Positionierungen und institutionellen Kontexten erschließt. Die Selbstdeutung der betroffenen Person bildet dabei eine relevante Wissensquelle. Mehrperspektivität erweitert das Fallwissen, indem unterschiedliche Erfahrungen, Interessen und Wissensbestände aufeinander bezogen werden. Zugleich wird die professionelle Beziehung selbst zum Gegenstand der Analyse: Auftrag, Setting, Erwartungen und Interaktion wirken am Fallgeschehen mit und prägen dessen weitere Entwicklung.
Die Fortbildung führt diese Perspektiven in einer machtkritischen Handlungspraxis zusammen. Die Teilnehmenden entwickeln überprüfbare Arbeitshypothesen, reflektieren den professionellen Anteil am Fallgeschehen und beziehen gesellschaftliche wie institutionelle Bedingungen systematisch in fachliche Entscheidungen ein. Machtkritik und Diskriminierungssensibilität werden so zu konkreten Bestandteilen professioneller Urteilsbildung und Handlungssicherheit.
Methodisch verbindet die Fortbildung fachliche Inputs mit angeleiteter Selbstreflexion, Fallarbeit und praxisbezogenen Übungen. Einzel- und Gruppenarbeitsphasen ermöglichen, theoretische Perspektiven auf eigene berufliche Erfahrungen zu beziehen, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster zu reflektieren und machtkritische sowie diskriminierungssensible Handlungsmöglichkeiten für die professionelle Praxis zu entwickeln in die Praxis.
PROBLEMATISIEREN.
Soziale Arbeit ist in gesellschaftliche und institutionelle Machtverhältnisse eingebunden, die Wahrnehmung, Zugänge, Entscheidungen und professionelle Beziehungen prägen. Fachliche Deutungen entstehen innerhalb dieser Bedingungen und wirken auf Hilfeprozesse und Handlungsmöglichkeiten. Die Reflexion von Macht, Normalität und Positioniertheit eröffnet einen fachlichen Zugang zu diskriminierungssensibler Professionalität.
INFORMIEREN.
Die Fortbildung vermittelt theoretische und professionsbezogene Zugänge zu Macht, Normalität, Diskriminierung, Positioniertheit und Intersektionalität. Konzepte zu Deutungsmacht, professioneller Macht und diskriminierungssensibler Wahrnehmung schaffen einen fachlichen Rahmen, um gesellschaftliche Verhältnisse und ihre Bedeutung für professionelles Handeln systematisch einzuordnen.
TRAINIEREN.
Die theoretischen Perspektiven werden auf konkrete Fälle und eigene Praxiserfahrungen übertragen. An Fallkonstellationen, Reflexionsübungen und beruflichen Handlungssituationen werden Wahrnehmungsprozesse, Zuschreibungen und Arbeitshypothesen untersucht, unterschiedliche Perspektiven erschlossen und machtkritische Formen des Fallverstehens praktisch erprobt.
TRANSFERIEREN.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden systematisch auf die eigene Berufspraxis bezogen und zu konkreten Handlungsstrategien weiterentwickelt. Die Teilnehmenden erarbeiten Zugänge für diskriminierungssensible Fallarbeit, Kommunikation und Entscheidungsprozesse und stärken damit eine reflexive, machtkritische professionelle Handlungspraxis.


CURRICULUM ÜBERSICHT.
Das Curriculum verbindet gesellschaftliche Machtanalyse mit diskriminierungssensibler Wahrnehmung, Fallverstehen und professioneller Handlungspraxis. Die sechs Schwerpunkte bauen aufeinander auf und führen von der Analyse von Macht und Normalität über Diskriminierungsverhältnisse und professionelle Wahrnehmung bis zur Entwicklung einer reflexiven, machtkritischen Fall- und Handlungspraxis.
01
Macht, Normalität & Deutungshoheit
Grundlagen machtkritischer Sozialer Arbeit. Im Mittelpunkt stehen Macht und Normalität als gesellschaftlich wirksame Ordnungen sowie ihre Bedeutung für professionelle Beziehungen. Untersucht werden unterschiedliche Quellen professioneller Macht und die Frage, wie Deutungsmacht, institutionelle Positionen und fachliche Entscheidungen Zugänge und Handlungsmöglichkeiten prägen.
02
Diskriminierung, Position & Privileg
Auseinandersetzung mit Diskriminierung als gesellschaftlichem Machtverhältnis. Analysiert wird, wie Positioniertheit und Privilegien unterschiedliche Zugänge zu Ressourcen, Anerkennung und Teilhabe hervorbringen. Reflektiert wird die eigene gesellschaftliche und professionelle Position und ihre Bedeutung für Wahrnehmung, Beziehung und fachliches Handeln.
03
Intersektionalität & Diskriminierung
Vertiefung einer intersektionalen Perspektive auf soziale Ungleichheit und Diskriminierung. Im Fokus steht das Zusammenwirken unterschiedlicher Machtverhältnisse und sozialer Positionierungen. Erarbeitet wird, wie sich daraus konkrete Lebensbedingungen und Erfahrungen ergeben und wie diese systematisch in professionelles Verstehen einbezogen werden.
04
Wahrnehmung, Bias & prof. Deutung
Reflexion professioneller Wahrnehmungs- und Deutungsprozesse. Untersucht wird, wie Kategorisierungen, Erwartungen, Bias und vorhandene Wissensbestände die Einordnung von Situationen prägen. Erarbeitet werden Zugänge, um Beobachtungen und Interpretationen zu differenzieren, Zuschreibungen zu reflektieren und fachliche Hypothesen systematisch zu überprüfen.
05
Fallverstehen & Mehrperspektivität
Übertragung der bisherigen Perspektiven auf das professionelle Fallverstehen. Im Mittelpunkt stehen Selbstdeutungen, soziale und institutionelle Kontexte sowie mögliche Funktionen von Verhalten. Mehrperspektivität und Hypothesenprüfung werden als methodische Zugänge genutzt, um Fallwissen zu erweitern und differenzierte fachliche Einschätzungen zu entwickeln.
06
Handlungspraxis & Praxistransfer
Zusammenführung der theoretischen, reflexiven und fallbezogenen Perspektiven mit der eigenen Berufspraxis. Die Teilnehmenden übertragen machtkritische und diskriminierungssensible Zugänge auf Kommunikation, Fallbesprechungen und fachliche Entscheidungen. Entwickelt werden konkrete Handlungsmöglichkeiten für eine reflexive und kontextsensible professionelle Praxis.
ZIELGRUPPE.
Die Fortbildung richtet sich an Sozialpädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Fachkräfte angrenzender Disziplinen sowie fachlich Interessierte, die ihre professionelle Praxis machtkritisch reflektieren und ihre Kompetenzen in diskriminierungssensibler Wahrnehmung, Fallverstehen und Handlungspraxis vertiefen möchten.
WAS DU LERNST.
→ Machtverhältnisse im professionellen Handeln analysieren und verstehen, wie gesellschaftliche Ordnungen, institutionelle Strukturen und professionelle Positionen Handlungsmöglichkeiten prägen.
→ Normalität, Positioniertheit und Privilegien reflektieren und deren Bedeutung für Wahrnehmung, Zugehörigkeit, Deutungsmacht und professionelle Beziehungen fachlich einordnen.
→ Diskriminierungsverhältnisse intersektional verstehen und soziale Positionierungen, gesellschaftliche Ungleichheiten und institutionelle Bedingungen systematisch miteinander in Beziehung setzen.
→ professionelle Wahrnehmungs- und Deutungsprozesse reflektieren und erkennen, wie Bias, Kategorisierungen, Erwartungen und Zuschreibungen fachliche Einschätzungen und Entscheidungen prägen.
→ machtkritisches und mehrperspektivisches Fallverstehen entwickeln und Selbstdeutungen, Lebensbedingungen, institutionelle Kontexte sowie den eigenen professionellen Anteil in die Fallanalyse einbeziehen.
→ diskriminierungssensible Handlungspraxis erproben und Erkenntnisse aus Machtkritik, Reflexion und Fallverstehen auf Kommunikation, Fallbesprechungen und professionelle Entscheidungen übertragen.
2 TAGE/
16 UE
online oder in Präsenz
PAX
20
max. Teilnehmer:innen
390
€
Gebühr/ Person
TERMINE.
2026/
25. & 26. November (Online)
2027/
18. & 19. Januar (Online)
05. & 06. April (Präsenz)
31. Mai & 01. Juni (Online)
06. & 07. Juli (Präsenz)
21. & 22. September (Online)
22. & 23. November (Online)
Präsenztermine finden im Zentrum für Bildung und Gesellschaft (ZBG) in der Albert-Schweitzer-Straße 113–115, in 55128 Mainz statt. (inkl. Snacks & Getränke)
390 €




DOZENT:IN/
Shiraz Maysum M.A. (er/ihm)
Shiraz’ Arbeitsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit, Sozialpsychologie, politischer Bildung und Professionsethik. In der Fortbildung verbindet er professionsbezogene Perspektiven mit sozialpsychologischen Zugängen zu Rolle, Haltung, Macht und professioneller Identität. Im Mittelpunkt stehen die Reflexion des eigenen fachlichen Handelns, die bewusste Gestaltung professioneller Beziehungen sowie Fragen von Grenzen, Selbstführung und professioneller Handlungssicherheit.

