Online-Fortbildung
"ANTI BIAS Workshop – Wie sehe ich meine Klient:innen und warum?"
Wie wir Menschen wahrnehmen, einschätzen und professionell einordnen, entsteht nicht losgelöst von gesellschaftlichen Erfahrungen, Machtverhältnissen und persönlichen Prägungen. Gerade in psychosozialen Arbeitsfeldern beeinflussen Sprache, Normvorstellungen, institutionelle Routinen und biografische Erfahrungen häufig mit, wem wir schneller Vertrauen entgegenbringen, wen wir als „kooperativ“ erleben, wem wir Kompetenz zuschreiben oder bei wem schneller Distanz, Irritation oder Kontrollimpulse entstehen. Diese Prozesse verlaufen oft unbewusst und wirken dennoch unmittelbar auf Beziehungsgestaltung, Fallverstehen, Dokumentation und professionelle Entscheidungen ein. Für Fachkräfte entsteht daraus die anspruchsvolle Aufgabe, die eigene Wahrnehmung nicht als neutral vorauszusetzen, sondern als Teil professioneller Verantwortung reflektieren zu lernen.
Der Anti-Bias-Workshop eröffnet hierfür einen professionellen und bewussten Reflexionsraum. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Zuschreibung, Wahrnehmung, Sprache, Macht und gesellschaftlicher Prägung im beruflichen Alltag. Thematisiert werden unter anderem struktureller Rassismus, Sexismus, Klassismus, Othering, Adultismus, Affinitäts-Bias, Tokenism und institutionelle Dynamiken sozialer Ungleichheit. Dabei geht es nicht um moralische Bewertung oder vereinfachende Schuldzuschreibungen, sondern um die fachliche Auseinandersetzung mit den eigenen Deutungsmustern, Reaktionen und professionellen Handlungsspielräumen. Der Workshop schafft Raum für Irritation, Selbstreflexion und die gemeinsame Auseinandersetzung mit Widersprüchen, Unsicherheiten und professioneller Verantwortung.
Der halbtägige Online-Workshop verbindet fachlichen Input mit erfahrungsorientierter Reflexion und praxisnaher Übertragbarkeit. Die Teilnehmenden setzen sich mit eigenen Wahrnehmungs- und Bewertungsprozessen auseinander und reflektieren, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse professionelles Handeln beeinflussen können. Ziel des Workshops ist es, diskriminierungssensible Perspektiven zu stärken, professionelle Selbstreflexion zu vertiefen und eine bewusstere, differenziertere und verantwortungsvollere Praxis im Umgang mit Klient:innen, Teams und institutionellen Strukturen zu fördern.
Curriculum
Problematisieren: Zu Beginn des Workshops werden Wahrnehmung, Zuschreibung und professionelle Deutung als Bestandteil sozialer und psychosozialer Praxis sichtbar gemacht und reflektiert. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Frage auseinander, wie schnell Menschen Situationen bewerten, Verhalten einordnen oder andere Personen bestimmten Bildern, Erwartungen und Kategorien zuweisen. Dabei wird deutlich, dass professionelle Wahrnehmung nicht losgelöst von gesellschaftlichen Erfahrungen, biografischen Prägungen und institutionellen Routinen entsteht. Gerade in psychosozialen Arbeitsfeldern beeinflussen häufig unbewusste Prozesse mit, wem wir schneller Vertrauen entgegenbringen, bei wem schneller Distanz, Kontrolle oder Skepsis entsteht oder welche Personen als „kooperativ“, „anstrengend“ oder „schwierig“ wahrgenommen werden.
Der Workshop eröffnet hierfür einen professionellen Reflexionsraum, in dem Irritation, Unsicherheit, Widerspruch oder Rechtfertigungsimpulse nicht abgewehrt, sondern als Teil professioneller Selbstreflexion ernst genommen werden. Ziel dieses ersten Abschnitts ist es, Wahrnehmung nicht als neutrale Selbstverständlichkeit vorauszusetzen, sondern als reflektierbaren Bestandteil professionellen Handelns sichtbar zu machen.
Informieren: Im weiteren Verlauf werden zentrale Begriffe und Perspektiven des Anti-Bias-Ansatzes fachlich eingeordnet und in Beziehung zur Sozialen Arbeit sowie zu psychosozialen Arbeitsfeldern gesetzt. Thematisiert werden unter anderem Bias, Othering, Adultismus, Tokenism, Intersektionalität, Affinitäts-Bias, Attributionsfehler sowie struktureller Rassismus, Sexismus und Klassismus. Darüber hinaus wird betrachtet, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse, institutionelle Dynamiken und professionelle Rollenbilder Wahrnehmung und Handlungsspielräume beeinflussen können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Sprache, Zuschreibung und professioneller Beziehungsgestaltung. Gemeinsam wird reflektiert, welche Wirkungen bestimmte Begriffe, Deutungsmuster oder Routinen entfalten können und wie gesellschaftliche Vorstellungen von Normalität und Abweichung in psychosozialen Arbeitsfeldern wirksam werden. Ziel dieses Abschnitts ist es, diskriminierungssensible Perspektiven fachlich zu fundieren und theoretische Zusammenhänge praxisnah einzuordnen.
Transferieren: Im anschließenden Abschnitt richtet sich der Fokus auf die Übertragung der erarbeiteten Inhalte in konkrete professionelle Handlungskontexte. Gemeinsam wird betrachtet, wie Wahrnehmung, Sprache und gesellschaftliche Prägungen Einfluss auf Fallverstehen, Beziehungsgestaltung, Dokumentation, Hilfeplanung und professionelle Kommunikation nehmen können. Die Teilnehmenden setzen sich mit eigenen Deutungsmustern, emotionalen Reaktionen und professionellen Routinen auseinander und reflektieren, wie bestimmte Zuschreibungen oder Bewertungen im Arbeitsalltag entstehen und welche Auswirkungen sie auf Interaktion und Beziehungsgestaltung haben können. Der Workshop schafft hierbei Raum für Perspektivwechsel, Selbstreflexion und die gemeinsame Auseinandersetzung mit professionellen Spannungsfeldern. Ziel ist es, die erarbeiteten Inhalte mit konkreten Erfahrungen und Situationen aus psychosozialen Arbeitsfeldern zu verknüpfen und dadurch reflektierbarer und greifbarer zu machen.
Trainieren: Im letzten Abschnitt werden diskriminierungssensible Reflexion und professioneller Umgang mit Bias praxisnah vertieft. Die Teilnehmenden arbeiten daran, eigene Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Reaktionsmuster bewusster wahrzunehmen und Möglichkeiten zu entwickeln, mit Zuschreibung, Irritation, Unsicherheit und Macht reflektierter umzugehen. Dabei geht es nicht um „fehlerfreie“ Wahrnehmung, sondern um die Entwicklung einer differenzierteren und verantwortungsvolleren professionellen Praxis.
Der Workshop versteht Anti-Bias-Arbeit dabei nicht als abgeschlossene Haltung, sondern als fortlaufenden professionellen Reflexions- und Entwicklungsprozess. Ziel des abschließenden Abschnitts ist es, Reflexion nicht nur theoretisch mitzudenken, sondern als aktiven Bestandteil professioneller Praxis erfahrbar und anwendbar zu machen.
Was erwartet dich?
• Ein fachlich fundierter Anti-Bias-Workshop mit Fokus auf professionelle Wahrnehmung, Zuschreibung, Macht und diskriminierungssensible Reflexion in psychosozialen Arbeitsfeldern
• Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Prägungen und professionellen Deutungsmustern im Kontext von Rassismus, Sexismus, Klassismus, Adultismus, Othering und institutionellen Dynamiken
• Ein professionell gehaltener Reflexionsraum, in dem Irritation, Unsicherheit, Widerspruch und Selbstreflexion als Teil professioneller Entwicklung ernst genommen werden
• Die Verbindung aus fachlichem Input, erfahrungsorientierter Reflexion und praxisnaher Übertragung in konkrete berufliche Situationen und Handlungskontexte
• Raum für Perspektivwechsel, gemeinsame Reflexion und die bewusste Auseinandersetzung mit Sprache, Beziehungsgestaltung, Fallverstehen und professioneller Verantwortung
• Praxisnahe Impulse und Reflexionsansätze für Dokumentation, Hilfeplanung, Teamkommunikation und diskriminierungssensible Beziehungsgestaltung im Arbeitsalltag
• Ein interdisziplinärer Workshop, der fachliche Orientierung schafft, Reflexionsprozesse begleitet und einen professionellen Raum bewusst eröffnet, gemeinsam hält und reflektiert abschließt
Teilnahmebescheinigung
Die Teilnehmer:innen erhalten auf Wunsch im Anschluss des workshops eine Teilnahmebescheinigung.
Weiteres
Kursleitung/ Referent:innen:
Shiraz Maysum (er/ihm)
Termine 2026
Freitags von 09:00 Uhr - 13:00 Uhr/ halbtägig
- 1. Durchgang: 26. Juni 2026
- 2. Durchgang: 24. Juli 2026
- 3. Durchgang: 04. September 2026
- 4. Durchgang: 23. Oktober 2026
- 5. Durchgang: 27. November 2026
