Online-Fortbildung
"Kritisches Weißsein und Machtasymmetrien in der Sozialen Arbeit"
In der Sozialen Arbeit begegnen Fachkräfte täglich Situationen, in denen Macht ungleich verteilt ist: zwischen Institutionen und Adressat*innen, zwischen professionellen Deutungen und gelebten Erfahrungen, zwischen gesellschaftlicher Normalität und dem, was als Abweichung markiert wird. Kritisches Weißsein beschreibt die professionelle Auseinandersetzung mit Weißsein als gesellschaftlicher Normposition und als wirksamem Hintergrund sozialer Praxis. Diese Normposition prägt Zugänge, Glaubwürdigkeit, Kommunikationsstandards, Tempo, Risiko- und Problemdeutungen sowie Entscheidungsmacht. Daraus entstehen in vielen Arbeitsfeldern wiederkehrende Muster in Sprache, Diagnostik, Fallverstehen, Teamkultur und institutionellen Verfahren.
Die Fortbildung vermittelt zentrale Konzepte kritischer Weißseinsforschung und rassismuskritischer Sozialer Arbeit und verbindet sie mit psychosozialen Perspektiven auf Stress-, Scham- und Konfliktdynamiken. Im Fokus stehen weiße Normativität, Dominanzkultur, Privileg, Deutungshoheit, epistemische Ungerechtigkeit und struktureller Rassismus. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf weißer Fragilität als professionell beobachtbarem Prozessmuster, das Interaktionen und Teamprozesse beeinflusst und die Bearbeitung von Rassismuswirkung in der Praxis strukturiert.
Auf dieser Grundlage erarbeitet die Fortbildung eine klare Handlungslogik für den Berufsalltag: Fachkräfte gewinnen Orientierung, wie sie in Gesprächen und Teams Wirkungen präzise klären, Prozesse steuern, Verantwortung aktivieren und Veränderung nachhalten. Ziel ist eine praxisfähige Kompetenz, die kritisches Weißsein in konkrete Professionalität übersetzt – in Sprache, Standards, Accountability und eine wirksame Beziehungsgestaltung in machtsensiblen Kontexten.
Curriculum
Diese eintägige Fortbildung fokussiert kritisches Weißsein als professionelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit und macht Machtasymmetrien in Hilfe- und Unterstützungsprozessen präzise bearbeitbar. Im Zentrum steht Weißsein als gesellschaftliche Normposition, die Zugänge, Deutungshoheit, Glaubwürdigkeit, Kommunikationsstandards und institutionelle Routinen strukturiert und damit die Bedingungen professionellen Handelns mitprägt. Die Inhalte verbinden sozialwissenschaftliche Macht- und Rassismusanalyse mit psychosozialen Perspektiven auf Stress-, Scham- und Konfliktdynamiken und schärfen den Blick für wiederkehrende Muster, die in Gesprächen, Teams und Organisationen Wirksamkeit entfalten: Privileg, Dominanzkultur, epistemische Ungerechtigkeit sowie weiße Fragilität als prozessuale Abwehr- und Steuerungsdynamik. Aufbauend auf der Problematisierung folgt eine handlungsorientierte Schlussstrecke, die Sprache und Prozesssteuerung in machtsensiblen Situationen konkretisiert, Wirkung klärt, Verantwortung aktiviert und Nachhaltestrukturen für Team- und Organisationspraxis formuliert.
Block 1: Kritisches Weißsein – Weißsein als Normposition im Hilfesystem
Dieser Block legt die begriffliche und konzeptionelle Grundlage: Kritisches Weißsein wird als professionelle Kompetenz eingeführt, Weißsein als gesellschaftliche Normposition zu erkennen und in der Sozialen Arbeit machtsensibel zu bearbeiten. Im Fokus stehen Normativität, „Neutralität“ als Praxisstandard, Deutungshoheit und die Frage, wie sich Normalitätsvorstellungen in Sprache, Tempo, Falllogiken und professionellen Standards niederschlagen. Ziel ist eine präzise Orientierung, die Weißsein nicht als individuelles Merkmal, sondern als strukturierenden Hintergrund von Praxis und Institution versteht.
Block 2: Privileg, Dominanzkultur, epistemische Macht – wie Macht sich professionalisiert
Dieser Block vertieft die strukturelle Perspektive: Privileg wird als Zugang-, Sicherheits- und Glaubwürdigkeitsbonus sichtbar gemacht, Dominanzkultur als Bündel impliziter Regeln, die Arbeitsbeziehungen und Organisationsabläufe prägt. Ein Schwerpunkt liegt auf epistemischer Macht: Wer gilt als objektiv, wer muss begründen, wessen Erfahrung wird als „zu subjektiv“ behandelt? Ziel ist ein klarer, fachlicher Blick auf wiederkehrende Muster in Diagnostik, Fallverstehen, Dokumentation, Beschwerdewegen und Teamkultur.
Block 3: Weiße Fragilität als Prozess – Abwehrdynamiken in Gesprächen und Teams
Dieser Block beschreibt weiße Fragilität als professionell lesbare Prozessdynamik, die häufig dann entsteht, wenn rassistische Wirkung, Privileg oder Normativität benannt werden. Im Zentrum stehen typische Verschiebungen und Abwehrbewegungen (z. B. Intent-Fokus, Tonverschiebung, Relativierung, Opferrollenwechsel) und ihre Effekte auf Beziehungssicherheit, Lernfähigkeit und professionelle Zusammenarbeit. Ziel ist eine differenzierte Prozessdiagnostik: Fachkräfte erkennen, was im Raum passiert, warum es passiert und welche Kosten diese Dynamiken für Praxis und Organisation erzeugen.
Block 4: Professionell handeln – Prozesssteuerung, Accountability, Standards und Nachhalten
Dieser Block übersetzt die Problematisierung in Handlungssicherheit. Im Fokus steht eine klare Interventions- und Nachhaltestruktur für machtsensible Situationen: Wirkung präzisieren, Prozesse steuern, Verantwortung aktivieren und Veränderung anschlussfähig machen. Thematisiert werden sprachliche und prozessuale Leitlinien für Gespräche und Teams, der Umgang mit wiederkehrenden Abwehrmustern sowie Accountability als organisationsfähige Praxis. Ziel ist eine belastbare Professionalität, die Machtasymmetrien nicht verwaltet, sondern bearbeitbar macht.
Transfer: Standards, Wege, Dokumentation
Zum Abschluss werden die Inhalte in alltagstaugliche Standards übersetzt: persönliche Standardsätze für Klient*innenkontakt und Kollegium, ein eigener Eskalations- und Klärungsweg sowie eine schlanke Dokumentationspraxis. Eine kurze Abschluss- und Fragerunde bündelt offene Punkte und stärkt die Umsetzung im Berufsalltag.
Was erwartet dich?
• Eine präzise Einführung in kritisches Weißsein als professionelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit
• Ein Verständnis von Weißsein als Normposition: wie Normativität Zugänge, Glaubwürdigkeit, Tempo, „Sachlichkeit“ und Entscheidungsmacht strukturiert
• Analyse von Machtasymmetrien in Hilfeprozessen: Deutungshoheit, Falllogiken, Diagnostik, Dokumentations- und Beschwerdewege
• Vertiefung zentraler Konzepte: Privileg, Dominanzkultur, epistemische Ungerechtigkeit und ihre Wirkung im Arbeitsalltag
• Weiße Fragilität als Prozessmodell: typische Abwehrmuster, Verschiebungen und Dynamiken in Gesprächen, Teams und Organisationen
• Konkrete professionelle Handlungslogiken: Wirkung klären, Prozesse steuern, Verantwortung aktivieren, Nachhalten ermöglichen
• Transfer in die Praxis: Standardsätze, ein eigener Klärungs-/Eskalationsweg sowie eine schlanke Dokumentationslogik für Team und Organisation
• Ein fachlich verdichteter Tag mit klarer Struktur, hoher Anschlussfähigkeit und Fokus auf Handlungssicherheit in machtsensiblen Kontexten
Zertifizierung
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung.
Die Teilnahmebescheinigung dient als qualifizierter Nachweis einer strukturierten Weiterbildung und kann gegenüber Arbeitgeberinnen, Jugendämtern und Kooperationspartnerinnen ausgewiesen werden.
Weiteres
Kursleitung/ Referent:innen:
Herr Shiraz Maysum
Termine 2026
jeweils montags von 09:00 Uhr - 16:30 Uhr/ 1 Tag
- 1. Durchgang: 01. Juni 2026
- 2. Durchgang: 13. Juli 2026
- 3. Durchgang: 21. September 2026
