Online-Fortbildung
"Soziale Arbeit und toxische Männlichkeit - Profession zwischen Tik Tok, Andrew Tate und Jungs denen man das Fühlen abtrainierte"

Toxische Männlichkeit ist eine soziale und psychologische Formation, die sich tief in unsere Institutionen, Beziehungsdynamiken und Selbstbilder einschreibt. Sie erzeugt Rollen, in denen Macht über Nähe steht und Kontrolle als Schutz gegen Verletzlichkeit gilt. Was als Stärke gilt, ist häufig die Abwesenheit von Selbstkontakt – eine erlernte Distanz, die andere, aber vor allem auch das eigene emotionale Erleben trifft.

In der Sozialen Arbeit begegnen wir diesen Mechanismen täglich – in Familien, Teams, Leitungsstrukturen und in unserer eigenen Haltung. Toxische Männlichkeit wirkt hier nicht nur als Thema der Klientel, sondern als strukturelles Echo im professionellen Feld selbst: in Kommunikationsmustern, Entscheidungspraxen, Leitungskulturen, Fallanalysen und im Umgang mit Emotionen. Die Fachkraft steht damit an einem sensiblen Schnittpunkt – zwischen persönlicher Reflexion, gesellschaftlicher Analyse und professionellem Handeln. Das bedeutet: Wer mit Männlichkeitsbildern arbeitet, arbeitet immer auch mit Machtverhältnissen, internalisierten Privilegien und Schamabwehr. Professionell zu handeln heißt daher, nicht nur auf Verhalten zu reagieren, sondern die Systemlogik hinter dem Verhalten zu verstehen – die Dynamik, die Menschen formt und Beziehungen strukturiert. Soziale Arbeit ist hier keine neutrale Instanz, sondern eine Gestaltungspraxis gesellschaftlicher Aushandlung: Sie kann patriarchale Muster reproduzieren oder sie aufbrechen.

Diese Fortbildung führt in die theoretischen Grundlagen der Geschlechterforschung (u. a. Connell, hooks, Kimmel) ein, verbindet sie mit psychologischen und systemischen Perspektiven und überträgt sie auf die Praxis der Sozialen Arbeit. Im Zentrum steht die Frage, wie Fachkräfte mit der Realität toxischer Männlichkeit professionell umgehen – nicht durch Distanzierung, sondern durch Reflexion, Sprache und Haltung. Ziel ist die Entwicklung eines Verständnisses, das zugleich kritisch, empathisch und handlungsfähig bleibt: eine Soziale Arbeit, die Männlichkeit weder pathologisiert noch entschuldigt, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse begreift – und Räume für Veränderung schafft.

 

Curriculum:

Diese zweitägige Fortbildung verbindet sozialwissenschaftliche Analyse, psychologische Reflexion und professionelle Praxisentwicklung. Sie versteht toxische Männlichkeit nicht als individuelles Problem, sondern als Ausdruck struktureller, kultureller und emotionaler Dynamiken, die das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit auf allen Ebenen berühren – von der Fallarbeit bis zur Teamkultur, von institutioneller Führung bis zu inneren Haltungen. Ziel ist es, Fachkräften ein vertieftes Verständnis davon zu vermitteln, wie Männlichkeitsbilder entstehen, sich verfestigen und in sozialen Systemen weiterwirken – und wie man diesen Prozessen mit fachlicher Klarheit, emotionaler Präsenz und machtsensibler Haltung begegnen kann. Die Fortbildung öffnet dabei einen Reflexionsraum, in dem gesellschaftliche Analyse und persönliche Auseinandersetzung nicht als Widerspruch verstanden werden, sondern als Voraussetzung professioneller Integrität.

Tag 1 – Struktur, Sozialisation und Systemlogik

Der erste Tag widmet sich den theoretischen, gesellschaftlichen und psychologischen Grundlagen toxischer Männlichkeit. Anhand der Konzepte hegemonialer Männlichkeit (Connell), relationaler Geschlechtertheorien (hooks, Butler) und der psychosozialen Männlichkeitsforschung (Kimmel, Bourdieu) wird untersucht, wie patriarchale Normen sich in Identitäten, Beziehungen und institutionellen Ordnungen einschreiben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Männlichkeit sozial hergestellt wird – und welche Mechanismen aus dieser Herstellung Gewalt, Abwehr, Sprachlosigkeit oder Machtmissbrauch entstehen lassen.

In der zweiten Tageshälfte richtet sich der Fokus auf die Soziale Arbeit als Spiegel und Handlungsfeld dieser Strukturen. Wie zeigen sich patriarchale Logiken in Hilfeprozessen, Teamdynamiken, Leitungsstilen oder Sprache? Wie wirken Scham, Konkurrenz und Kontrollbedürfnis auf professionelle Rollen und Beziehungsarbeit? Anhand praxisnaher Fallvignetten und kollegialer Reflexion wird deutlich, dass toxische Männlichkeit kein externer Gegenstand ist, sondern Teil der Systeme, in denen Soziale Arbeit agiert.

 

Tag 2 – Profession, Haltung und Veränderung 

Der zweite Tag vertieft die Perspektive auf das professionelle Handeln. Im Zentrum steht die Übertragung des theoretischen Verständnisses in eine machtsensible, geschlechterreflektierte und beziehungsorientierte Praxis. Die Teilnehmenden erarbeiten, wie sich patriarchale Muster in Kommunikation, Leitung, Beratung oder Klient*innenkontakt zeigen – und wie man ihnen mit professioneller Klarheit und emotionaler Kompetenz begegnen kann. Reflexionsübungen, Rollensequenzen und kollegiale Beratung ermöglichen, eigene Reaktionsmuster auf Männlichkeitsdynamiken zu erkennen. Dabei wird das Awareness-Gap-Modell von FIFSI e. V. als methodisches Instrument eingesetzt, um Diskrepanzen zwischen Wissen, Haltung und Handlung sichtbar zu machen und professionell zu bearbeiten.

Neben der Selbstreflexion geht es um strukturelle Verantwortung: Wie können Teams, Einrichtungen und Fachbereiche eine Kultur entwickeln, die patriarchale Muster nicht fortschreibt, sondern aktiv verändert? Wie kann Soziale Arbeit Räume schaffen, in denen Männlichkeit weder pathologisiert noch idealisiert, sondern reflektiert, relational und verantwortlich gelebt wird? 

Was erwartet dich?

  • Eine fundierte Einführung in toxische Männlichkeit als soziale, psychologische und institutionelle Struktur
  • Analyse, wie männlichkeitsbezogene Dynamiken Beziehungen, Teams, Leitungskulturen und professionelle Entscheidungen prägen 
  • Verstehen der Mechanismen, die Distanz, Abwehr, Kontrollbedürfnisse, Sprachlosigkeit und Verletzlichkeit strukturieren
  • Verknüpfung von persönlicher Reflexion, gesellschaftlicher Analyse und professionellem Handeln
  • Einblick in geschlechtertheoretische Grundlagen (u. a. Connell, hooks, Butler, Kimmel) und deren Bedeutung für soziale Arbeit
  • Übertragung dieser Perspektiven auf deinen Berufsalltag: Kommunikation, Fallverstehen, Beratung, Beziehungsgestaltung, Leitungsverhalten
  • Reflexionsräume, um eigene Muster im Umgang mit Männlichkeitslogiken zu erkennen und professionell damit umzugehen
  • Praxisnahe Arbeit an Fällen, Situationen und Dynamiken, in denen patriarchale Muster wirksam werden – und wie du ihnen klar, empathisch und verantwortungsvoll begegnen kannst
  • Beschäftigung mit der Frage, wie Soziale Arbeit kulturelle Muster nicht reproduziert, sondern Veränderungsräume schafft

Wir arbeiten mit fachlichen Inputs, Analyse, Reflexionsübungen, Fallarbeit, Diskussion und kollegialen Perspektiven.

Zertifizierung

Nach erfolgreicher Teilnahme an beiden Fortbildungstagen erhalten die Teilnehmenden ein FIFSI-Zertifikat.
Dieses Zertifikat dokumentiert:
    •    die vollständige Teilnahme,
    •    die vermittelten fachlichen Inhalte,
    •    die erworbenen Kompetenzen im Bereich professionellen Handelns,
    •    sowie den Abschluss des Curriculums in nachvollziehbarer Form.

Das Zertifikat dient als qualifizierter Nachweis einer strukturierten Weiterbildung und kann gegenüber Arbeitgeberinnen, Jugendämtern und Kooperationspartnerinnen ausgewiesen werden.
Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikats ist die durchgängige und aktive Teilnahme an der Fortbildung.

Weiteres:

Kursleitung/ Referent:innen:

Herr Shiraz Maysum

Termine 2026

jeweils montags & dienstags/ 09:00 Uhr - 16:30 Uhr/ 2 Tage

  • 1. Durchgang: 11. - 12. Februar 2026 (ausgebucht)
  • 2. Durchgang: 22. - 23. April 2026
  • 3. Durchgang: 17. - 18. Juni 2026
  • 4. Durchgang: 19. - 20. August 2026
  • 5. Durchgang: 23. - 24. September 2026
  • 6. Durchgang: 18. - 19. November 2026

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