Online-Fortbildung
"Krisenintervention & Deeskalation in der Sozialen Arbeit"

Krisen sind Momente erhöhter Verletzlichkeit – psychologisch, sozial und institutionell. Sie entstehen dort, wo Handlungsfähigkeit bedroht ist, wo Überforderung, Stress und strukturelle Belastungen zusammenwirken und wo Beziehung, Macht und Emotionen in kurzer Zeit verdichtet auftreten. In der Sozialen Arbeit begegnen wir diesen Dynamiken täglich: in Familien, Teams, Hilfesystemen und in unserer eigenen professionellen Haltung. Krisenintervention bedeutet deshalb nicht nur, Situationen zu „lösen“, sondern die dahinterliegenden Muster zu verstehen – Eskalationslogiken, emotionale Aktivierung und die Systembedingungen, die Krisen hervorbringen oder verstärken. Professionelles Deeskalieren heißt, in diesen Momenten präsent zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und zugleich die Grenzen des eigenen Handelns zu kennen.

Diese Fortbildung führt in die theoretischen Grundlagen der Krisenpsychologie (z. B. Caplan, Siegel, Porges) ein, verbindet sie mit systemischen und kommunikativen Perspektiven (u. a. Rosenberg, Glasl, Greene) und überträgt sie auf die Praxis der Sozialen Arbeit. Im Zentrum steht die Frage, wie Fachkräfte in akuten Belastungssituationen handlungsfähig bleiben – nicht durch Macht, Kontrolle oder Distanz, sondern durch Haltung, Sprache und Beziehungsgestaltung. Ziel ist die Entwicklung eines Verständnisses, das emotional stabilisierend wirkt, Eskalationen früh erkennt und deeskalierend interveniert – und eine Soziale Arbeit ermöglicht, die Situationen nicht verschärft, sondern Räume für Sicherheit, Orientierung und professionelles Handeln schafft.
 

 

Curriculum

Diese zweitägige Fortbildung verbindet psychologische Grundlagen, sozialwissenschaftliche Analyse und professionelle Handlungskompetenz. Sie versteht Krisen nicht als Ausnahmezustände einzelner Personen, sondern als Ausdruck emotionaler, struktureller und interaktionaler Dynamiken, die das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit auf allen Ebenen berühren: von der unmittelbaren Beziehungsgestaltung über Teamprozesse bis zur institutionellen Rahmung. Fachkräfte bewegen sich in akuten Krisen stets an einem sensiblen Schnittpunkt – zwischen emotionaler Aktivierung, fachlicher Verantwortung und machtsensibler Präsenz. Professionell intervenieren heißt deshalb, nicht nur auf Verhalten zu reagieren, sondern die Logiken hinter Eskalation, Stress und Überforderung zu erkennen und handhabbar zu machen. Die Fortbildung eröffnet dabei einen Reflexions- und Handlungsraum, in dem persönliche Haltung, professionelle Grenzen und strukturelle Bedingungen zusammen gedacht werden.

 

Tag 1 – Dynamik, Wahrnehmung und Systemlogik

Der erste Tag widmet sich den psychologischen und sozialen Grundlagen von Krisen. Anhand klassischer und aktueller Ansätze der Krisenforschung (u. a. Caplan, Siegel, Porges) wird untersucht, wie Übererregung, Kontrollverlust und Beziehungskonflikte entstehen – und welche Mechanismen Eskalationsverläufe begünstigen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie verbale und nonverbale Signale in Krisen gelesen werden können und welche Rolle Stressphysiologie, Schutzstrategien und situative Trigger dabei spielen.

In der zweiten Tageshälfte richtet sich der Fokus auf die Soziale Arbeit als Interventionsfeld. Wie wirken institutionelle Rollen, Teamkulturen, Entscheidungslogiken oder Machtverhältnisse auf Krisenprozesse ein? Welche Muster der Überforderung, Distanzierung oder Überkontrolle zeigen sich bei Fachkräften selbst – und wie lassen sie sich professionell regulieren? Anhand praxisnaher Fallvignetten und kollegialer Reflexion wird herausgearbeitet, wie Deeskalation entsteht: durch Sprache, Haltung, Beziehung und die Fähigkeit, die eigene Reaktivität zu steuern.

 

Tag 2 – Intervention, Haltung und professionelle Verantwortung

Der zweite Tag vertieft die Perspektive des professionellen Handelns. Im Zentrum steht die Übertragung des theoretischen Verständnisses in eine klare, strukturierte und beziehungsorientierte Praxis. Die Teilnehmenden erarbeiten anhand von konkreten Methoden (z. B. Low-Arousal-Ansatz, Gesprächsstruktur nach Greene, deeskalierende Kommunikationsmuster nach Rosenberg), wie sich akute Krisen entschärfen lassen – und wie man Klient*innen mit emotionaler Kompetenz, Klarheit und Resonanzerfahrung begegnen kann. Rollensimulationen, Reflexionsübungen und kollegiale Beratung ermöglichen es, typische Reaktionsmuster zu erkennen und Alternativen einzuüben.

Neben der Selbstreflexion geht es um professionelle Grenzen und strukturelle Verantwortung: Wann ist Weiterleitung notwendig? Wie können Teams und Einrichtungen eine Kultur etablieren, die deeskalierendes Handeln unterstützt und Eskalationsrisiken reduziert? Wie können Fachkräfte Räume schaffen, in denen Krisen nicht verschärft, sondern konstruktiv bearbeitet werden? Ziel ist eine Soziale Arbeit, die weder emotional übersteuert noch machtblind agiert, sondern Krisen relational, reflektiert und verantwortungsvoll begleitet.

Was erwartet dich?

  • Eine fundierte Einführung in Krisen als psychologische, soziale und institutionelle Dynamik
  • Analyse, wie Eskalationsprozesse in Beziehungen, Teams, Leitungsstrukturen und professionellen Situationen entstehen
  • Verstehen der Mechanismen, die Übererregung, Kontrollverlust, Rückzug, Aggression oder Sprachlosigkeit prägen
  • Verknüpfung von persönlicher Wahrnehmung, fachlicher Reflexion und strukturellen Bedingungen im Krisenverlauf
  • Einblick in theoretische Grundlagen der Krisenforschung (u. a. Caplan, Siegel, Porges) und deren Bedeutung für Soziale Arbeit
  • Übertragung dieser Perspektiven auf deinen Berufsalltag: Kommunikation, Fallverstehen, Stabilisierung, Beziehungsgestaltung, Leitungshandeln
  • Reflexionsräume, um eigene Reaktionsmuster in akuten Belastungssituationen zu erkennen und professionell zu regulieren
  • Praxisnahe Arbeit an Fällen, Situationen und Dynamiken, in denen Krisen sich zuspitzen – und wie du ihnen mit Klarheit, Präsenz und Deeskalation begegnen kannst
  • Beschäftigung mit der Frage, wie Soziale Arbeit Eskalationen nicht verstärkt, sondern Räume für Sicherheit, Orientierung und professionelles Handeln schafft

Wir arbeiten mit fachlichen Inputs, Analyse, Reflexionsübungen, kollegialer Beratung, Fallarbeit und interdisziplinären Perspektiven.

Zertifizierung

Nach erfolgreicher Teilnahme an beiden Fortbildungstagen erhalten die Teilnehmenden ein FIFSI-Zertifikat.
Dieses Zertifikat dokumentiert:
    •    die vollständige Teilnahme,
    •    die vermittelten fachlichen Inhalte,
    •    die erworbenen Kompetenzen im Bereich professionellen Handelns,
    •    sowie den Abschluss des Curriculums in nachvollziehbarer Form.

Das Zertifikat dient als qualifizierter Nachweis einer strukturierten Weiterbildung und kann gegenüber Arbeitgeberinnen, Jugendämtern und Kooperationspartnerinnen ausgewiesen werden.
Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikats ist die durchgängige und aktive Teilnahme an der Fortbildung.

Weiteres

Kursleitung/ Referent:innen:

Herr Shiraz Maysum 

Termine 2026

jeweils donnerstags & freitags/ 09:00 Uhr - 16:00 Uhr/ 2 Tage

  • 1. Durchgang: 19. - 20. Februar 2026
  • 2. Durchgang: 16. - 17. April 2026

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