Online-Fortbildung
"Epistemische Gewalt in der Sozialen Arbeit - Macht, Wissen und professionelle Verantwortung"

Professionelles Handeln bedeutet, Wirklichkeiten wahrzunehmen, zu deuten und in Beziehung zu setzen – doch Deutungshoheit ist nie neutral. In allen sozialen Systemen wirken unbewusste Strukturen von Macht, Sprache und Wissen, die darüber entscheiden, wessen Perspektive gehört und wessen Erfahrung geglaubt wird. Diese subtilen Mechanismen bezeichnet die postkoloniale Theoretikerin Gayatri Chakravorty Spivak als epistemische Gewalt: die Gewalt, Wissen zu unterdrücken, zu entwerten oder unsichtbar zu machen. In der Sozialen Arbeit und anderen sozialen Berufen begegnen uns diese Dynamiken täglich – in Gesprächssituationen, Dokumentationen, Fallbesprechungen, institutionellen Routinen, aber vor allen Dingen in den Lebenswelten der Klient:innen/ Patient:innen etc.

Erfahrungen marginalisierter Personen werden häufig übersetzt, psychologisiert oder relativiert, bis sie in das Raster einer professionellen/ gesellschaftlichen Logik passen. Was als Hilfe gemeint ist, kann so unbeabsichtigt zu einer Form epistemischer Entmündigung werden.

Diese Fortbildung bietet einen reflexiven und zugleich praxisnahen Zugang zu den theoretischen und professionellen Dimensionen epistemischer Gewalt. Ausgehend von zentralen Ansätzen (u. a. Spivak, Miranda Fricker, Michel Foucault) beleuchten wir, wie Wissen, Sprache und institutionelle Macht miteinander verflochten sind – und welche Verantwortung daraus für Fachkräfte entsteht.

Ziel ist nicht nur, den Begriff zu verstehen, sondern ihn im Kontext professioneller Haltung, Machtkritik und Kommunikation praktisch zu verorten. Die Teilnehmenden lernen, epistemische Gewalt in ihrem Arbeitsalltag zu erkennen, kritisch einzuordnen und alternative Handlungsräume zu entwickeln – mit einer Sprache, die differenziert, statt anzueignen.

 

Curriculum:

Die Fortbildung verbindet theoretische Tiefenschärfe mit praxisnaher Selbstreflexion. Im Mittelpunkt steht das Verständnis epistemischer Gewalt als Beziehungsgeschehen zwischen Wissen, Macht und professionellem Handeln. Die Teilnehmenden lernen, die Mechanismen der Wissensproduktion in der Sozialen Arbeit kritisch zu hinterfragen und zu erkennen, wie Deutungshoheit entsteht – und wem sie oft entzogen wird. Auf Basis zentraler Konzepte von Spivak, Fricker und Foucault werden institutionelle und sprachliche Strukturen untersucht, die unbewusst Hierarchien stabilisieren.

Vormittag: Der Tag beginnt mit einer theoretischen Einführung in den Begriff der epistemischen Gewalt und seine Relevanz für professionelle Handlungskontexte. Anschließend werden zentrale Fragestellungen zur Beziehung zwischen Sprache, Wissen und Macht diskutiert. Über kurze Input-Sequenzen und moderierte Dialoge erschließen die Teilnehmenden, wie epistemische Gewalt in alltäglichen Situationen der Sozialen Arbeit wirken kann – in Dokumentation, Beratung oder interdisziplinärer Zusammenarbeit. Dabei geht es vor allem um das Erkennen systemischer Mechanismen.

Nachmittag: Der zweite Teil des Tages ist praxis- und reflexionsorientiert. Anhand realitätsnaher Fallvignetten untersuchen die Teilnehmenden eigene Wahrnehmungs- und Deutungsmuster und übertragen die theoretischen Erkenntnisse auf ihr Berufsfeld. Das von FIFSI entwickelte Awareness-Gap-Modell dient dabei als Instrument zur Analyse der Diskrepanz zwischen wahrgenommenem Wissen, impliziten Annahmen und tatsächlicher Handlungspraxis. In selbstexplorativen Phasen reflektieren die Teilnehmenden ihre Haltung, ihre Sprache und ihr professionelles Rollenverständnis im Kontext von Deutungshoheit und Machtasymmetrie. Den Abschluss bildet eine gemeinsame Diskussion über institutionelle Verantwortung, Selbstfürsorge und Möglichkeiten einer machtsensiblen, erkenntnistheoretisch reflektierten Praxis.

Was erwartet dich?

  • Eine fundierte Einführung in Krisen als psychologische, soziale und institutionelle Prozesse
  • Analyse, wie Eskalationsdynamiken Beziehungen, Teams, Leitungsstrukturen und professionelle Entscheidungen prägen
  • Verstehen der Mechanismen, die Übererregung, Abwehr, Rückzug, Kontrollbedürfnisse, Sprachlosigkeit und Kontrollverlust strukturieren
  • Verknüpfung von persönlicher Reflexion, systemischer Analyse und professionellem Handeln in Krisensituationen
  • Einblick in theoretische Grundlagen der Krisen- und Stressforschung (u. a. Caplan, Siegel, Porges) und deren Bedeutung für Soziale Arbeit
  • Übertragung dieser Perspektiven auf deinen Berufsalltag: Kommunikation, Stabilisierung, Fallverstehen, Beziehungsgestaltung, Leitungshandeln
  • Reflexionsräume, um eigene Reaktions- und Deeskalationsmuster zu erkennen und professionell damit umzugehen
  • Praxisnahe Arbeit an Fällen, Situationen und Dynamiken, in denen Krisen entstehen oder sich zuspitzen – und wie du ihnen klar, präsent und verantwortungsvoll begegnen kannst
  • Beschäftigung mit der Frage, wie Soziale Arbeit Eskalationen nicht reproduziert, sondern Räume für Orientierung, Sicherheit und handlungsfähige Praxis schafft

Wir arbeiten mit fachlichen Inputs, Analyse, Reflexionsübungen, Fallarbeit, Diskussion und kollegialen Perspektiven.

Zertifizierung

Nach erfolgreicher Teilnahme an beiden Fortbildungstagen erhalten die Teilnehmenden ein FIFSI-Zertifikat.
Dieses Zertifikat dokumentiert:
    •    die vollständige Teilnahme,
    •    die vermittelten fachlichen Inhalte,
    •    die erworbenen Kompetenzen im Bereich professionellen Handelns,
    •    sowie den Abschluss des Curriculums in nachvollziehbarer Form.

Das Zertifikat dient als qualifizierter Nachweis einer strukturierten Weiterbildung und kann gegenüber Arbeitgeberinnen, Jugendämtern und Kooperationspartnerinnen ausgewiesen werden.
Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikats ist die durchgängige und aktive Teilnahme an der Fortbildung.

Weiteres

Kursleitung/ Referent:innen:

Herr Shiraz Maysum 

Termine 2026

jeweils montags/ 09:00 Uhr - 16:00 Uhr/ 1 Tag

  • 1. Durchgang: 26. Januar 2026
  • 2. Durchgang: 09. März 2026
  • 3. Durchgang: 04. Mai 2026

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